Hart an der Grenze : Wo war eigentlich die Mauer?

Ein Test mit Neuberlinern und Alteingesessenen ergibt Erstaunliches:  Ältere sagen, die Jüngeren hätten keine Ahnung – und scheitern selbst. Wissen Sie, wo die Mauer verlief? Testen Sie Ihr Wissen mit der Berlin-Karte.

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Wo war die Mauer nochmal? Der Wissenstest fiel überraschend aus.Alle Bilder anzeigen
Foto: Thilo Rückeis/TSP
12.08.2011 22:03Wo war die Mauer nochmal? Der Wissenstest fiel überraschend aus.

„In der Bernauer an der Mauer!“, kalauert die etwa 60-jährige Blondine, als sie nach ihrem Wohnort gefragt wird. Ja, gern wolle sie den Mauerverlauf in eine Karte zeichnen, sagt sie, während sie mit ihrem Mann durchs Rathaus Mitte geht. Das Bürgeramt an der Karl-Marx-Allee zwingt die Leute, Zeit zu haben. Zeit für die Frage, wo eigentlich die Mauer stand. Hier, wo Alteingesessene neben Neuberlinern und Junge neben Alten warten, soll sich zeigen, wie deutlich die Leute die Narbe noch vor Augen haben, die der Stadt vor 50 Jahren zugefügt worden ist.

Als Zeichenvorlage dient ein Gesamtberliner Umriss, in dem nur die Gewässer markiert sind. Das verbessert die Chancen jener, die Orte wie Spreebogen, Osthafen oder Teltowkanal finden. Die Frau aus der Bernauer schaut auf das Papier wie auf eine Küchenschabe. Und gibt es leer zurück. Auch ihr Mann mag den Stift nicht in die Hand nehmen: „Ich könnte da nur so’n senkrechten Strich machen.“

Die nächsten beiden Kandidaten sind Rentner und könnten ihrem Aussehen nach beruflich mit der DDR zu tun gehabt haben. Beim Stichwort „Mauer“ wenden sich beide ab, als hätte man sie zum Hütchenspiel eingeladen. Nicht so Renate Langhans, 55 Jahre alt, 30 davon lebt sie in Prenzlauer Berg. Sie erinnere sich gut, sagt sie spontan, „die Mauer ging ja zum Teil die Spree entlang“. Rasch senkt sich ihr Stift – und schwebt dann knapp über dem Blatt. Sie weiß nicht, wie sie die halbe Blatthöhe vom Norden bis zum sicher erkannten Humboldthafen am Hauptbahnhof überbrücken soll. Der Süden ist ihr noch weniger präsent. Als sie fertig ist mit ihrem Strich, bekrittelt sie das eigene Werk: „Die Proportionen stimmen nicht. Ost-Berlin war doch nur ein Drittel der Gesamtfläche.“ Ihr Strich verläuft am Tempelhofer Damm und teilt Lichtenrade.

Helga Meißner (72), die 2000 aus Leipzig an den Alex zog und ihr Sächsisch mitbrachte, sagt: „Jüngere müssen Sie ja gar nicht erst fragen.“ Beim Anblick der leeren Karte erschrickt sie. Sie weiß, dass die Mauer parallel zur Leipziger verlief und ums Brandenburger Tor. Aber weil sie nichts davon findet, gibt sie das Blatt leer zurück. „Sehr blamabel“ sei das.

Für Chen Wen Jie aus China ist die Sache einfach: „Ost-Berlin ist Straßenbahn, West-Berlin ist U-Bahn.“ Lesen Sie weiter auf Seite 2.

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