Berlin : Harte Fronten beim Kita-Streik

KATHRIN SPOERR MICHAEL BRUNNER

Tausende Erzieher beim Sternmarsch zur Innenverwaltung / Ablehnung SchönbohmsVON KATHRIN SPOERR UND MICHAEL BRUNNER BERLIN.Ein großer Teil der städtischen Kindertagestätten blieb gestern wegen eines Warnstreiks stundenweise oder den ganzen Tag über geschlossen.Tausende von Erziehern beteiligten sich an dem Streik und folgten damit dem Aufruf der Gewerkschaften ÖTV und GEW.Hintergrund: Die Gewerkschaften verlangen Vor- und Nachbereitungszeiten für die 13 000 Erzieher in Kitas und Schulhorten.Innensenator Jörg Schönbohm wies die Forderungen von ÖTV und GEW zurück.Der Regierende Bürgermeister bezeichnete die Aktionen als unverantwortlich. Nach Darstellung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) nahmen die meisten der 1160 städtischen Kitas an der Arbeitsniederlegung teil.Bereits am Morgen streikten in Schöneberg die Beschäftigten in 26 der 29 Kitas, in Spandau blieben die Türen bei 31 von 44 Kitas geschlossen.In Mitte beteiligten sich zwölf, in Prenzlauer Berg 16, in Schöneberg zwei und in Kreuzberg fünf Horte an dem Arbeitskampf.Gegen Mittag schlossen sich die Mitarbeiterinnen weiterer Einrichtungen an und beteiligten sich an einem Sternmarsch zum Sitz des Innensenators am Fehrbelliner Platz. Ein Schwerpunkt der Arbeitsniederlegungen war Schöneberg, wo auch die Erzieher der Ganztagesschulen am Streik teilnahmen.Bis 11 Uhr mußten die Kinder der Kita an der Frankenstraße warten, ehe sie von den streikenden Erzieherinnen eingelassen wurden.Während die Erzieher vor dem Eingang des Kindergartens den Gewerkschaftsaufruf befolgten, wuchs die Zahl der Eltern und Kinder, die auf einem in der Nähe liegenden Spielplatz das Streikende abwarteten."Wir wollen der Öffentlichkeit zeigen, daß die Basis die Gewerkschaftsforderungen unterstützt", sagte Andreas Jürgens, Erzieher der Kita in der Frankenstraße."Uns geht es um mehr als um die Gewährung einer zusätzlichen Vorbereitungsstunde." Die Beschäftigung der Erzieher müsse für die Zukunft gesichert werden.Auch wenn es der Bedarf erfordere, müsse langfristig auf jede Kündigung verzichtet werden, forderte Jürgens. Trotz der Behinderungen zeigten viele Eltern Verständnis für die Arbeitsniederlegungen."Anders ist diesem Senat ja nicht beizukommen", sagte Heike Hoffmann, deren Tochter den bestreikten Kindergarten besucht.Kommunen, die jedem Kind einen Kindergartenplatz garantierten, müßten auch dafür sorgen, daß genügend Personal für deren Betreuung eingestellt werde, forderte Daniela Richter, deren Tochter ebenfalls erst nach 11 Uhr in ihre Gruppe konnte.Die beiden arbeitslosen Schönebergerinnen hatten während des Vormittags Kinder anderer, berufstätiger Eltern aufgenommen und bis 11 Uhr betreut, "damit diesen Eltern aus dem Streik keine Nachteile erwachsen." Mit dem Streik wollten GEW und ÖTV der Forderung Nachdruck verleihen, Erzieherinnen in Kindertagesstätten und Schulhorts drei statt bisher zwei Stunden für die Vor- und Nachbereitung ihrer Arbeit zuzugestehen.Die Innenverwaltung lehnt dies bislang ab.Nach den Worten von Innensenator Jörg Schönbohm würde das Zugeständnis für das Land Berlin mit 90 Millionen Mark im Jahr zu Buche schlagen.Der ÖTV-Vorsitzende Kurt Lange hatte die Rechnung der Innenverwaltung als rein fiktiv bezeichnet.Um die Forderung zu erfüllen, müsse wegen des Stellenüberhangs bei Erzieherinnen niemand neu eingestellt werden.Von zusätzlichen Kosten könne nicht die Rede sein. Ob weitere Arbeitsniederlegungen folgen, wollen die Gewerkschaften von der Reaktion des Arbeitgebers abhängig machen."Wir hoffen, daß nach dem jetzigen Warnstreik ein verbessertes Angebot vorgelegt wird, so daß auf dem Verhandlungsweg eine Einigung erzielt werden kann", sagte der GEW-Landesvorsitzende Erhard Laube.

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