Hartz-IV-Empfänger : Die Grenzen der Armut

Berlin – Stadt der Hartz-IV-Empfänger: 321.000 Haushalte erhalten staatliche Unterstützung. Was bedeutet das heute: ein Leben am Rande des finanziell Zumutbaren? Beobachtungen von Sigrid Kneist

In ganz Deutschland wird seit Wochen über Hartz IV und die Folgen diskutiert. Sollen Ältere länger das höhere Arbeitslosengeld I bekommen? Reichen die Hartz-IV-Sätze überhaupt aus, in dieser Gesellschaft ein würdiges Leben zu führen? Nirgendwo stellen sich diese Probleme in einem Ausmaß wie in Berlin. 321 000 Haushalte erhalten hier derzeit Leistungen nach Hartz IV. Besserung hat allenfalls statistische Gründe: Wegen der sinkenden Arbeitslosigkeit sind es mittlerweile 12 000 Haushalte weniger als noch zu Jahresbeginn.

Nach dem letzten Familienbericht des Senats leben mehr als ein Drittel aller Kinder in Familien, die als arm gelten, also weniger als 60 Prozent des monatlichen deutschen Durchschnittseinkommens zur Verfügung haben.

Nicht alle Hartz-IV-Familien sind von Arbeitslosigkeit betroffen. Manchmal reicht das Einkommen für den Unterhalt einfach nicht aus, so dass sie aufstockende Leistungen bekommen. Das ist bei 80 000 Haushalten der Fall. Denn oft führt der Weg aus der Arbeitslosigkeit nur über einen schlecht bezahlten Job. Mit steigender Tendenz, wie Jobcenter und auch Gewerkschaften berichten.

347 Euro müssen einem alleinstehenden Hartz-IV-Empfänger zum Lebensunterhalt reichen; bei Paaren erhält jeder 312 Euro. Zudem werden die Mietkosten übernommen.

Für Kinder unter 15 Jahren gelten 208 Euro als angemessen, bei älteren Kindern 278 Euro. Auch junge Erwachsene bis 25 Jahre, die noch im Haushalt ihrer Eltern leben, müssen mit exakt 278 Euro auskommen.

Nicht nur Sozialverbände und die Linkspartei halten diese Sätze für viel zu niedrig; sie fordern eine Anhebung auf 420 Euro für einen Erwachsenen und auch eine deutliche Steigerung bei den Leistungen für die Kinder. Eine Studie kam außerdem zu dem Ergebnis, bei den geltenden ALG-II-Leistungen sei eine ausgeglichene Ernährung für die größeren Kinder nicht zu gewährleisten.

Wie bedeutet das also heute: ein Leben in Armut? Wie sieht es in dieser Stadt aus? Wir stellen vier Berliner Haushalte vor – vier Schicksale, vier Arten von Leben an der Armutsgrenze.

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