Berlin : Hartz IV: Nach dem Fordern kommt das Fördern

In den Job-Centern sollen die Langzeitarbeitslosen besser betreut werden. Noch fehlt aber Personal

Sigrid Kneist

Die ersten 7500 Neuköllner Empfänger von Arbeitslosengeld II erhalten bis zur nächsten Woche Post. Das Job-Center, das sie künftig anstelle der Arbeitsagentur oder des Sozialamts betreut, will nach und nach alle Betroffenen zu einem Termin einladen. Denn auch wenn das Neuköllner Job-Center, so wie die übrigen elf Berliner Anlaufstellen, noch nicht voll arbeitsfähig ist, will es schon jetzt mit der verstärkten Betreuung beginnen. Zwar stand in den letzten Monaten vor allem das neue Arbeitslosengeld II im Mittelpunkt der Debatten, dabei sieht Hartz IV vor allem vor, Langzeitarbeitslose besser zu betreuen und zu vermitteln. Konkret heißt das, dass sich ein Vermittler im neuen Job-Center um weniger Arbeitslose kümmern soll als in der bisherigen Arbeitsagentur.

Bei Langzeitarbeitslosen soll das Betreuungsverhältnis bei 1 zu 150 liegen. Nach Angaben von Olaf Möller, Sprecher der Regionaldirektion für Arbeit, ist in den Berliner Agenturen bisher ein Vermittler für 350 bis 400 Menschen zuständig. Allerdings wird das bessere Betreuungsverhältnis erst im Mai erreicht sein, noch fehlen 900 der 3500 Beschäftigten bei den Job-Centern. Lediglich für junge Arbeitslose bis 25 Jahren ist das vorgeschriebene Verhältnis, das bei dieser Gruppe bei 1 zu 75 liegt, erreicht.

Man werde jeden einladen, der sich nicht von selber meldet, sagt Ellen Queisser von der Arbeitsagentur Nord. Jeder Betroffene soll künftig einen festen, persönlichen Ansprechpartner haben, so sieht es das Gesetz vor. „Der Vorteil für die Arbeitslosen liegt eindeutig darin, dass die Vermittler wegen der niedrigeren Fallzahlen mehr Zeit für den Einzelnen haben“, sagt Queisser. So könne sich ein Mitarbeiter besser auf einen Termin mit den Betroffenen vorbereiten, Weiterbildungen oder Trainingsmaßnahmen anbieten. Auch könne ein Ein-Euro-Job besser vermittelt werden, der die besten Chancen bietet, in ein festes Arbeitsverhältnis zu kommen. Bestimmte Zeitabstände, in denen sich ein Arbeitsloser wie früher melden muss, gibt es nicht mehr. Dies wird individuell vereinbart. In besonderen Problemfällen werden außerdem so genannte Fallmanager aktiv. „Sie werden eingeschaltet, wenn es bei jemandem mehrere schwere Vermittlungshemmnisse gibt“, sagt Dietmar Jarkow vom Job-Center in Neukölln. Dazu zählen beispielsweise Überschuldung, Alkoholismus und soziale und psychische Schwierigkeiten. Die Fallmanager vermitteln dann auch den Kontakt an die fachlich zuständigen Stellen, die dann Hilfe anbieten können.

Noch wissen die einzelnen Job-Center aber nicht genau, mit wie vielen Betroffenen sie es zu tun haben werden. Denn die Daten aus den Bezirksämtern und den Arbeitsagenturen wurden bisher nicht zusammengefasst. Dies soll bundesweit zum 19. Januar geschehen. Langzeitarbeitslose aber, die etwa aufgrund eigenen Vermögens oder des Einkommens ihrer Ehepartner kein Arbeitslosengeld II erhalten, profitieren nicht von einer besseren Betreuung. Ihre Ansprechpartner sitzen in der Arbeitsagentur wenden und müssen sich um eine weitaus höhere Zahl von Arbeitslosen kümmern.

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