Berlin : Hasenheide: Ein Zaun soll Drogendealer vom Volkspark fern halten

Ole Töns

30 Grad am Nachmittag in der Hasenheide. Die heiße Luft steht im einzigen größeren Erholungspark für die dichtbesiedelten südlichen Innenstadtbezirke. Kleine Grüppchen junger Männer - Araber, Schwarzafrikaner, Russen - sitzen verstreut auf Wiese und Parkbänken. Auch Familien mit Kindern haben sich niedergelassen.Polizisten in Kampfanzügen schlendern über die Wiese. Zwei Jugendliche auf Mountainbikes rollen dahin. Wirklich entspannt wirkt die Szene nicht. Argwöhnische Blicke werden gewechselt. Zwanzig Meter hört man einen rufen: "He, willst du was kaufen?"

Wer nicht weiß, was gemeint ist, konnte es am Abend zuvor bei einer stundenlangen hitzigen Diskussion im Neuköllner Rathaus erfahren. Seit Jahren ist der Volkspark Hasenheide Drogenumschlagplatz vor allem für Haschisch und Marihuana. Großrazzien und regelmäßige Polizeipräsenz haben daran nichts geändert. "Die Mengen, die die Polizei sicherstellt, sind meist zu klein", sagt der Leiter der zuständigen Dienstgruppe der Direktion 5, Joachim Klitzing. Da es sich oft um Schwarzafrikaner mit Asylstatus aus dem Umland handele, bleibe nur ein Platzverweis. "Bei weniger als sechs Gramm werden die Verfahren grundsätzlich eingestellt", bestätigt Justizsprecherin Anja Teschner. Nach einem Senatspapier von 1995 soll damit eine Kriminalisierung dieses als geringfügig erachteten Umschlags verhindert werden. Die Polizei soll sich stattdessen auf organisierte Rauschgiftkriminalität konzentrieren können.

Kurz vor der Sommerpause streiten die Bezirksverordneten zum wiederholten Male über einen Vorschlag, den seit Monaten eine Arbeitsgruppe der CDU debattiert: Ein Zaun um den Park, Kontrollen an den Eingängen, möglicherweise Eintrittsgeld und Ausweiskontrollen sollen das Problem lösen. Das hält auch Klitzing für eine denkbare Lösung. Bei Parkbesuchern stößt der Vorschlag auf geteilte Meinung: "Ja, find ich gut, die dealen doch hier am hellen Tag, auch vor den Kindern", sagt ein Familienvater, der gerade mit Frau und Kleinkind spazieren geht. "Zaun und Eintritt? Nicht hier in Neukölln, denken sie mal an kinderreiche Familie mit geringem Einkommen", wendet Lisa Schäfer ein, deren Sohn zwei Meter weiter im Sandkasten buddelt. Ihr Mann sieht das anders: "Mit den Eintrittsgeldern könnten Arbeitsplätze für Parkwächter finanziert werden." Zwei junge Mütter betonen dagegen die Sauberkeit des Spielplatzes, fühlen sich auf diesem Areal sicher. "Woanders finden wir doch die Spritzbestecke für Heroin im Sand, das kommt hier nicht vor."

Ein junger Vater zeigt Verständnis für die afrikanischen Asylbewerber, denen hier vor allem Dealerei vorgeworfen wird. "Die haben keine andere Möglichkeit, Geld zu verdienen. An Kinder und Familien gehen die nicht ran." Dass die Drogenumschlagplätze unter ethnischen Gruppen aufgeteilt sind, wissen erstaunlich viele zu berichten. Dass die Szene unter sich bleibt, sagen die meisten. Ihre Kinder alleine in die Hasenheide lassen, das wollen die wenigsten.

Vom Streit um den Zaun haben sie alle gehört. Dabei liegt dem Bezirksamt offiziell gar kein Antrag auf Umzäunung vor, wie der zuständige Stadtrat für Grünflächen, Heinz Buschkowsky (SPD) klarstellt. Aber eine große Anfrage auf der Tagesordnung der Bezirksverordnetenversammlung regt seit Tagen Medieninteresse an. Was das Bezirksamt gegen die Dealer zu tun gedenke, wollen die Christdemokraten wissen. SPD-Mann Buschkowsky ist gegen einen Zaun. Er schätzt er die Kosten auf rund drei Millionen Mark, wobei der Bezirk derzeit jährlich nur 1,5 Millionen Mark für sämtliche Grünflächen habe. Den Gedanken an Passkontrollen findet er "gespenstisch". Der Leiter der CDU-internen Arbeitsgruppe, Falko Lieke will direkt gar nicht zu offenen Fragen Stellung nehmen. In erster Linie, sagt er, gehe es der CDU um eine notwendige Diskussion.

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