Berlin : Hasenheide: Verstärkte Razzien gegen Rauschgift-Händler

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Die Polizei wird ihre Razzien gegen die Drogenszene in der Kreuzberger Hasenheide voraussichtlich ausweiten. Nach den tödlichen Schüssen auf einen Zivilfahnder werde das nun erwogen, heißt es im Präsidium. Doch welche Chancen haben die Beamten? Wie sieht die derzeitige Praxis aus? Und würde eine Offensive das Problem möglicherweise nur verlagern, weil die Szene dann zu anderen Orten ausweicht und schwerer zu kontrollieren wäre als an einem einzigen Handelsplatz?

Diese Gefahr sieht auch die Polizei. Erfahrungen mit Rauschgifthändlern an der Kurfürstenstraße in Schöneberg zeigen, dass die Szene vor verstärkten Razzien flüchtet und dort beispielsweise zum Bülowbogen ausweicht. Gleichwohl hält man im Präsidium nichts von einer „stillen Duldung“. Schon jetzt sind in der Hasenheide täglich Zivilstreifen unterwegs. 52 gesuchte Straftäter wurden dabei im vergangenen Jahr festgenommen, gegen acht Dealer wurden mehrmonatige Aufenthaltsverbote verhängt, weil sie trotz Verwarnung immer wieder kamen. Und grundsätzlich erhält jeder eine Anzeige wegen „unerlaubten Drogenbesitzes“, der mit Cannabis angetroffen wird – egal, wie viel er bei sich trägt. Kann er sich nicht ausweisen, wird er zur Identitätsfeststellung mit zur Wache genommen. Doch neun von zehn Anzeigen schreiben die Beamten in der Regel umsonst. Sie werden von der Staatsanwaltschaft eingestellt.

In Berlin ist der Besitz von Cannabis straffrei, falls man nicht mehr als zehn Gramm zum Eigenbedarf bei sich hat. Kiffen in der Nähe von Schulen oder Kitas ist verboten, gleichfalls Rauschgifthandel. Die Staatsanwaltschaft muss jede Anzeige daraufhin überprüfen. Doch den Dealern ist der Handel schwer nachweisbar, zumal sie meist nur zehn Gramm dabei haben. Wie man dem Drogenhandel in der Hasenheide beikommen kann, dafür hat auch Peter Trapp (CDU), Vorsitzender des Innenausschusses, kein Patentrezept. „Eine Verdrängung der Szene ist unsinnig, weil sie dann woanders hinzieht.“ Präsenz zu zeigen, sei richtig, allerdings sollten Sonderermittler eher „große Fische“ unter den Dealern festnehmen. FDP-Innenpolitiker Alexander Ritzmann fordert eine präventive Drogenpolitik, um die Zahl der Konsumenten zu verringern. cs/sib

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