Hatun und Can : Zeuge: Auf Vereinskosten ins Thai-Bordell

Der frühere Chauffeur des Chefs der Frauennothilfe erhebt schwere Anschuldigungen. Die Aussagen des Mannes über Frauengeschichten und Spendenmissbrauch seines ehemaligen Vorgesetzten sind aber umstritten, die Verteidigung hält den Zeugen für höchst unglaubwürdig.

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Der Zeuge zog vom Leder. „D. saß ständig in der Kneipe, machte den dicken Maxen und hatte seine Frauengeschichten.“ Kein gutes Wort hatte er übrig für Udo D., den Vorsitzenden des Frauennothilfe-Vereins „Hatun und Can“, den er einst chauffiert hatte. „Mit der 500 000-Euro-Spende veränderte er sich total“, sagte Lothar W. am Mittwoch vor dem Landgericht. Bei D. sei das Interesse an der Vereinsarbeit geschwunden. „Es war alles eine Lüge“, meinte W. an einer anderen Stelle. Er gilt im Prozess um Spendenbetrug als Hauptbelastungszeuge, ist aber umstritten.

Die Staatsanwaltschaft wirft Udo D. vor, nach dem Ehrenmord an Hatun Sürücü den Verein nur gegründet zu haben, um sich persönlich zu bereichern. Der damalige Hartz-IV-Empfänger soll zwischen Januar 2007 und April 2010 Spenden von mehr als 690 000 Euro erschlichen und teilweise für private Zwecke verwendet haben – unter anderen für eine luxuriöse Reise und ein 63 500 Euro teures Auto, das er privat genutzt habe. Auch soll er zum Beleg von Vereinsausgaben Quittungen gefälscht haben.

Lothar W. lernte Udo D. Ende 2007 kennen. „Als Sicherheitsbeauftragten und Bodyguard wollte er mich, ich sollte Frauen zu Behörden begleiten“, sagte der 52-Jährige, der wie der 41-jährige Udo D. staatliche Leistungen bezog. Ob er entlohnt worden sei? „Eigentlich sollte es ehrenamtlich laufen, es gab aber ab und zu zehn oder zwanzig Euro.“ In zwei Jahren seien für ihn insgesamt 500 bis 600 Euro nach Fahrten für den Verein zusammengekommen. „Dann waren da aber noch seine Privatfahrten wegen seiner Liebschaften“, schob W. hinterher.

Die Frauen? „Da war eine Polin, dann eine Lettin. Außerdem musste ich ihn zwei bis drei Mal in ein Thai-Bordell fahren.“ Reisen? „Nach Spanien, er und seine Freundin waren in Madrid, das war ein sogenannter Liebesbeweis“, behauptete der Ex-Chauffeur. Ob die Flugreise für den Verein war? „Das hat er dann nur so deklariert“, sagte W. und erntete ein heftiges Kopfschütteln des Angeklagten.

Udo D. hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Sein Anwalt spricht immer wieder von einem „widerwärtigen Justizskandal“. Die Ermittlungen waren durch eine Anzeige von „Emma“-Chefredakteurin Alice Schwarzer ins Rollen gekommen. Sie hatte 2009 bei „Wer wird Millionär“ 500 000 Euro gewonnen und das Geld dem Verein gespendet. Als Udo D. im März verhaftet wurde, stellten die Ermittler etwa 380 000 Euro sicher.

Was er bei der Polizei zu Protokoll gab, wiederholte W. nun. Beim Autokauf habe D. mit dem Fuß gestampft und erklärt: „Ich will aber einen BMW.“ Obwohl er dem Vereinschef einen für Transporte weitaus besser geeigneten VW-Bus empfahl, sei das Luxusauto gekauft worden. Auch eine Uhr für 1000 Euro habe sich D. zugelegt. Er sei eben der „alleinige Bestimmer über Spenden“ gewesen.

Um die Aussage von W. aber wird es noch viel Streit geben. Die Verteidigung hält ihn für „durch und durch kriminell“ und unglaubwürdig.

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