Hauptbahnhof : Nein zum langen Dach

SPD und Linke sind gegen einen Umbau am Hauptbahnhof: Das Geld solle lieber am Ostkreuz investiert werden.

Stefan Jacobs
Lehrter Foto: dpa
Zu kurz: Architekt Gerkan hatte sich das Dach des Hauptbahnhofs länger gewünscht. -Foto: dpa

Die Verkehrsexperten der rot-roten Koalition haben sich strikt gegen eine nachträgliche Verlängerung des Daches am Hauptbahnhof ausgesprochen. „Wir lehnen diese Maßnahme entschieden ab, zumal sie mit monatelangen Sperrungen der Hauptschlagader des Schienenverkehrs verbunden wäre“, heißt es in einer Erklärung von Christian Gaebler (SPD) und Jutta Matuschek (Linke).

Damit sendet die Berliner Koalition ein klares Signal an den Bauausschuss des Bundestages, der sich am Mittwoch mit dem Thema befassen will. Das Bundesbauministerium empfiehlt die Verlängerung des Daches, die 53 Millionen Euro kosten und den Fern-, Regional- und S-Bahnverkehr auf der Stadtbahntrasse für zwei bis drei Monate lahmlegen würde. Hunderttausende Fahrgäste wären davon Tag für Tag betroffen. Entsprechend harsch kritisierte auch der Fahrgastverband Igeb die Pläne des Bundes.

Gaebler und Matuschek fordern, „das Geld lieber da einzusetzen, wo es direkten Nutzen für die Fahrgäste erbringt“. Das gelte beispielsweise für den Bahnhof Ostkreuz. Der mit täglich rund 100 000 Ein-, Aus- und Umsteigern meistgenutzte S-Bahnhof der Stadt wird zwar für 411 Millionen Euro fast komplett neu gebaut, muss aber wegen Geldmangels möglicherweise ohne Dach auf dem Ringbahnsteig auskommen. Weil die geschätzten zehn Millionen Euro für die Halle nicht gesichert sind und der Bund nur drei Millionen zuschießt, droht eine Billigvariante mit einer Art Bushaltestellenhäuschen auf dem ohnehin zugigen, weil auf einer Brücke gelegenen Bahnsteig.

Sinnvoller könne man das Geld nach Ansicht von SPD und Linken auch für den Ausbau der Bahntrasse zwischen Berlin und Cottbus ausgeben. Dieser wurde vom Bund gerade auf unbestimmte Zeit verschoben.

Der Fahrgastverband moniert, dass bei der Bahn noch profanere Dinge eingespart werden: So seien entlang der Wannseebahn die detaillierten Anzeigen durch Blechschilder, „die wie auf einem Dorfbahnhof nur noch die Fahrtrichtung angeben“, ersetzt worden – weil es so billiger ist. Und der neue S-Bahnhof Julius-Leber-Brücke hat ebenfalls kein Dach.

Den Hauptbahnhof hat sich die Bahn etwa 1,2 Milliarden Euro kosten lassen. Das von Architekt Meinhard von Gerkan geplante Dach wurde kurzfristig gekappt, um die Bauzeit zu verkürzen. Die bereits produzierten Scheiben liegen im Depot. Stefan Jacobs

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