Hauptbahnhof : Streit geht weiter

Die Bahn sieht derzeit keine Chance für eine Erweiterung des Daches des Berliner Hauptbahnhofes. "Ohne eine längere Sperrung der Bahngleise geht das nicht", sagte ein Sprecher.

Berlin - Grund sei der fehlende Platz. Auch sei unklar, wer die Kosten für die Verlängerung und die Wartung trage. Schließlich habe der Architekt Meinhard von Gerkan immer noch kein Konzept für die Dachinnenreinigung vorgelegt, fügte er hinzu. Aus diesen Gründen sei es "völlig undenkbar", das Dach nachträglich zu verlängern.

Die Bahn bezifferte erstmals die Gesamt-Baukosten für den Berliner Hauptbahnhof auf eine Milliarde Euro - und damit 300 Millionen Euro mehr als ursprünglich geplant. Sie wären noch deutlich höher ausgefallen, wenn die Bahn nicht gegen den Willen von Gerkans "einschneidende Maßnahmen zur Eindämmung der Kosten" durchgesetzt hätte, schrieb der Vorstandschef der DB Station & Service AG, Wolf- Dieter Siebert, in einem Beitrag für den "Tagesspiegel". Bisher hatte der Konzern nur angegeben, die Kosten lägen einen dreistelligen Millionenbetrag über den ursprünglich vorgesehenen 700 Millionen Euro.

Ohnehin schon Mehrkosten für den Bahnhof

Nachdem alle Kostenprognosen überzogen waren und der ursprüngliche Fertigstellungstermin "sogar auf das Jahr 2008 zu rutschen drohte", mussten klare Entscheidungen getroffen werden, schrieb Siebert weiter. Zwei Jahre Bauzeitverlängerung hätten einen wirtschaftlichen Nachteil von weiteren 200 Millionen Euro für die Bahn bedeutet. Ursprünglich sollte der Bahnhof 2002 in Betrieb gehen, fertig wurde er im Mai 2006 kurz vor der Fußballweltmeisterschaft.

Da nach den Finanzierungsvereinbarungen mit dem Bund die öffentlichen Mittel für den Bahnhof mit rund 500 Millionen Euro budgetiert gewesen seien, gingen die Mehrkosten voll zu Lasten der Bahn, schrieb Siebert zudem. Damit habe die Bahn statt der ursprünglich geplanten 200 Millionen rund 500 Millionen Euro Baukosten aus eigenen Mitteln aufbringen müssen. "Geld, das aus dem Bahnhof nie verdient werden kann. Damit fehlen 300 Millionen Euro, die wie andernorts für die Modernisierung der Bahnhöfe dringend benötigen", betonte Siebert.

Eine nachträgliche Verlängerung des Daches ist aber zumindest technisch möglich, wie es in einem Bericht des Bundesverkehrsministerium an den Haushaltsausschuss heißt. Der Bau wäre allerdings wegen des Betriebs auf der Bahntrasse sehr aufwändig. (tso/dpa)

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