• Hauptbahnhof wächst nun doch in die Höhe Zwei Bahnhöfe in einem: über und unter der Erde

Berlin : Hauptbahnhof wächst nun doch in die Höhe Zwei Bahnhöfe in einem: über und unter der Erde

Auftrag erteilt: Die zwei Büro- und Hoteltürme über dem Glasdach werden gebaut – obwohl es keine Mieter gibt

Klaus Kurpjuweit

Die Bahn wagt’s. Trotz des Überangebots an Büroflächen und Hotelbetten hat sie jetzt den Auftrag für den Bau der so genannten Bügelbauten am neuen Hauptbahnhof erteilt. Damit wird das architektonische Grundkonzept des Superbahnhofs doch verwirklicht. Beim verkürzten Glasdach allerdings bleibt es.

Mit dem Bau der Bügelgebäude ist die Niederlassung Ost der DB Projekt Verkehrsbau beauftragt worden, die bereits den eigentlichen Bahnhof erstellen lässt. Im Juli sollen die Arbeiten für die Büro- und Hotelgebäude ausgeschrieben werden; die Vergabe soll dann Anfang 2004 erfolgen, so dass Ende 2004/Anfang 2005 mit den Arbeiten begonnen werden kann. Gleichzeitig erfolgt die Ausschreibung für das Dach, das zwischen den Hochbauten installiert wird. Durch dieses Dach wird Licht bis auf den unterirdischen Bahnhof geleitet. Befestigt wird es an den beiden Bügelbauten. So schließt sich dann die Lücke, die heute zwischen den Dachkonstruktionen klafft. Weil sich bisher kein Nutzer finden ließ, hatte Bahnchef Hartmut Mehdorn erwogen, auf die Bürogebäude zu verzichten. Der künftige Hauptbahnhof wäre dann endgültig zu einem Torso geworden. Denn Mehdorn ließ bereits das auf eine Länge von bis zu 452 Meter konzipierte Dach auf 321 Meter verkürzen, um den Bau zu beschleunigen.

Geld gespart hat die Bahn dadurch nicht. Die aufwändig herzustellenden Teile für das gesamte Dach waren bereits fertig, und auch die Umplanung verschlang viel Geld. Am Ende war das kurze Dach nach Tagesspiegel-Informationen teurer, als die lange Version geworden wäre. Auch ein Verzicht auf die Bügelbauten hätte wieder eine teure Umplanung erfordert, um die Lücke im Dach schließen zu können. Deshalb realisiert Mehdorn die Bügelbauten nun doch.

Bei der Suche nach Mietern ist die Bahn noch nicht fündig geworden. Die Bahn selbst will nicht in ihren eigenen Bahnhof ziehen. Der Vorstand, der jetzt noch im Sony-Tower residiert, ist auf der Suche nach einem anderen Standort und für die Berliner Dienststellen entsteht am Nordbahnhof ein neuer Bau. Für ihr neues „Wahrzeichen“ sucht die Bahn lieber fremde Nutzer.

Die beiden Bügelbauten sollen nach der Idee des Architekten Meinhard von Gerkan die unterirdische Nord-Süd-Verbindung der Bahn symbolisieren. Sie überspannen im schrägen Winkel das Glasdach der Stadtbahn. Zwischen den beiden Türmen mit einer Gesamtfläche von 40 000 Quadratmetern wird es ein zweites gewölbtes Dach geben, durch das Licht auf den unterirdischen Bahnsteig fallen wird. Die Bügelbauten werden 46 Meter hoch, die unterirdische Bahnhofshalle liegt 15 Meter unter der Erde, die Ost–West-Stadtbahn 15 Meter darüber. Dazwischen befinden sich drei Bahnhofsebenen mit der großen Halle in der Mitte. Trotzdem soll der Weg beim Umsteigen nie länger als 400 Meter sein. kt/Fotos: Archimation

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