Hauptbahnhof : Weiter Streit um Verkauf am Sonntag

Die Deutsche Bahn kritisiert die Beschränkung auf Reisebedarf am Hauptbahnhof als provinziell. Nun hofft das Unternehmen, dass im neuen Ladenöffnungsgesetz die Beschränkungen für den Sonntagsverkauf gestrichen werden.

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Der Streit um den Sonntagsverkauf im Hauptbahnhof geht weiter. Bei der Vorstellung eines neuen Kundenmagazins kritisierte die Bahn die Regelung, wonach an Sonn- und Feiertagen nur Geschäfte öffnen dürfen, die Reisebedarf verkaufen. „Das ist doch provinziell“, sagte Horst Mutsch, bundesweiter Leiter der Geschäftseinheit Vermietung der DB Station und Service, „diese Eingriffe haben wir nur in Berlin.“ In Hamburg erlaube das Gesetz, alles zu verkaufen, was zur Reise diene – worunter je nach Auslegung nahezu alle Artikel fielen. Der Bahn gehe es dabei nicht um wirtschaftliche Vorteile, sondern um die Kunden. „Wenn die sonntags dunkle Läden sehen, ist das kein Wohlfühlbahnhof“, sagte Mutsch. Er und Heiko Jentsch, Leiter Vermietung des Regionalbereichs Ost, fordern die Gleichbehandlung mit anderen Verkehrsknotenpunkten wie dem Flughafen Tegel. Jentsch betonte, dass es der Bahn in Berlin nur um den Hauptbahnhof gehe.

Die Bahn hofft nun, dass im neuen Ladenöffnungsgesetz die Beschränkung auf Reisebedarf für den Hauptbahnhof gestrichen wird. Jentsch kann sich „nicht vorstellen, dass die Politik so borniert ist“. Vor wenigen Wochen hatte sich bereits die SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus den Oppositionsparteien CDU und FDP angeschlossen und will im Ladenöffnungsgesetz die Beschränkung auf Reisebedarf streichen. Sollte dies nicht geschehen, ist das weitere Vorgehen der Bahn unklar. Die Läden im Hauptbahnhof wollen dann „auf Gleichbehandlung mit Tegel“ klagen, teilte ein Sprecher der Werbegemeinschaft Hauptbahnhof mit. 50 ihrer Verkäufer hätten bereits ihren Job verloren, weil die Ämter seit vergangenen Herbst mit Bußgeldern gegen Läden vorgehen, die mehr als nur Reisebedarf verkaufen. Sollte die jetzige Gesetzgebung erneuert werden, könnten noch 30 weitere Stellen verloren gehen. Insgesamt hätten 28 der 80 Läden sonn- und feiertags nicht mehr geöffnet. Christoph Spangenberg

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