Berlin : Hauptsache raus

So richtig ist der Frühling noch nicht da. Aber man kann schon Primeln pflanzen, im Freien rumsitzen, Tennis spielen – oder Fahrrad fahren lernen

Sandra Dassler/Meike Patzig

Die Stadt sehnt den Frühling herbei: Morgen soll er laut Kalender beginnen, und ausgerechnet am Wochenende mussten die Temperaturen wieder abstürzen. Berlins Blumenhändler üben sich in Geduld: So richtig haben die ersten Frühblüher sich noch nicht verkauft. „Dabei warten die Menschen nur darauf, etwas pflanzen zu können“, sagt Günther Hertwig, Leiter des Globus-Baumarktes in Treptow. „Sobald sich ein Sonnenstrahl zeigt, wird gekauft.“ Vorerst freilich fast nur Primeln und Stiefmütterchen. Deren Blüten erfrieren bei Nachtfrost zwar auch, aber sie blühen später wieder neu. Erste vorsichtige Gartenmöbel-Käufe sind auch schon zu beobachten. Kunststoff ist out, hat Hertwig beobachtet, Holz ist angesagt.

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Auf dem Alex verkauft eine alte Frau Forsythienzweige. Ein kleines Bund kostet fünf Euro. Aber dafür, sagt sie, blühen die garantiert schon in ein paar Tagen – ideal, um schon jetzt selbst bemalte Ostereier dranzuhängen. Das Fest ist ja so kurz.

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Die Braut in Weiß hat sich gerade oben im Fernsehturm trauen lassen. Dafür war ein Teil der Aussichtsplattform gesperrt und die „richtigen“ Gäste mussten nur den halben Eintrittspreis zahlen. Doch selbst aus 203 Metern Höhe hat sie den Frühling in Berlin nicht entdecken können. „Sehen Sie den Ballon am Potsdamer Platz?“, fragt ein Gast im Telecafé den Kellner. Und der sagt: „Der steigt erst, wenn es richtig Frühling ist.“

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Bei Lutter & Wegner am Gendarmenmarkt haben sie vor vier Tagen die eingedeckten Tische rausgestellt. Und sie werden genutzt – selbst bei Nieselregen. Das liegt nicht nur an den Heizstrahlern und der Markise, versichert die Dame vom Marketing. „Die Leute wollen einfach an die frische Luft, und der Trend geht in Berlin sowieso zum ganzjährigen Draußensitzen.“ Zu Lutter & Wegner gehört seit 2002 auch die Alte Fischerhütte am Schlachtensee. Dort kann man immer im geheizten Zelt tafeln, fürs Draußensitzen gibt es Decken.

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Wer sich lieber aktiv aufwärmen möchte, ist im Preußenpark Lankwitz richtig. Neben Badminton und Squash in der Halle kann man sogar schon im Freien Tennis spielen. Zwar nicht auf Sand, aber dafür sollen die drei Kunstrasenplätze mit eingestreutem Quarzsand besonders gelenkschonend sein .

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Eher für Anfänger ist der Fahrradkurs von Wolfgang Lukowiak gedacht, der Anfang April startet. Teilnehmer sind ausschließlich Erwachsene. Eine 79-jährige Steglitzerin beispielsweise hat bei ihm im letzten Jahr das Radfahren gelernt. Im April macht sie wieder mit. (Anmeldung unter: info@radfahrschule.de oder Telefon: 030-89090106).

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Heute um elf Uhr geht der erste Springbrunnen in dieser Saison in Betrieb: auf dem Viktoria-Luise-Platz in Schöneberg. Die Betriebskosten übernimmt die Wall AG – wie auch die für 18 weitere Brunnen in diesem Bezirk und 56 Brunnen in den Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf, Pankow und Spandau. 400000 Euro gibt Sponsor Hans Wall dafür aus. Von den fast 300 Brunnen Berlins sind nur etwas mehr als 200 betriebsbereit. Der Rest müsste instand gesetzt werden, doch auch dafür fehlt das Geld. Die Übrigen werden im Laufe der nächsten Wochen angestellt, die letzten Mitte Mai. So werden rechtzeitig zu den Pfingstferien alle Brunnen in Betrieb sein.

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Sprudelnde Fontänen können Berlintouristen zu Ostern also noch nicht bewundern. Aber sie reisen trotzdem an. Willy Weiland, Vizepräsident des Hotelverbandes und Interconti-Direktor, ist schon ganz zufrieden. „Im FünfSterne-Segment liegen die Buchungen im Moment bei 50 bis 60 Prozent, im Drei- oder Vier-Sterne-Segment bei 70 Prozent.“ Jetzt hofft er, dass das Wetter sich noch macht. „Schon in der letzten Woche, als es milder wurde, hat man das an den vermehrten Buchungen gemerkt.“

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Also, was jetzt: Winterreifen ade? Ab einer Temperatur von 7 Grad empfehlen Experten bekanntlich den Wechsel zu Sommerreifen. Doch bei diesen schwankenden Temperaturen rät Jörg Kirst , Abteilungsleiter Technik des ADAC, noch etwas zu warten: „Nach Ostern ist immer noch Zeit.“ Wichtiger sei eine Motor- und Unterbodenwäsche, um Salzreste zu entfernen.

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