Berlin : Hauptschulen fordern mehr Lehrer

Offener Brief an den Schulsenator: Direktoren protestieren, weil sie zusätzliche Aufgaben übernehmen sollen, aber nicht mehr Personal bekommen

Susanne Vieth-Entus

Berlins Hauptschulleiter protestieren mit einem offenen Brief an Bildungssenator Klaus Böger (SPD) gegen die Benachteiligung ihrer Schulen. Sie fordern mehr Lehrer für die zusätzlichen Aufgaben, die durch das neue Schulgesetz auf sie zukommen. In Berlin besuchen 15416 Schüler die Hauptschule.

Die Pädagogen fürchten, dass die Hauptschulen von den übrigen Schulformen abgekoppelt werden. Denn Real-, Gesamtschulen und Gymnasien erhalten zusätzliche Lehrer, um ab Klasse sieben mehr Unterricht zu erteilen. Damit sollen ihre Schüler die Chance erhalten, das Abitur nach zwölf Jahren zu machen.

Da nur wenige Hauptschüler den Weg zum Abitur schaffen, hatte die Schulverwaltung entschieden, den Unterricht in den Hauptschulen nicht aufzustocken. Die schwächsten Schüler würden dann am wenigsten Unterricht erhalten. Am Ende der zehnten Klasse müssen sie aber dieselben Prüfungen wie Realschüler und Gymnasiasten bestehen, um den mittleren Schulabschluss zu bekommen. Die Schulleiter wehren sich dagegen, „dass Hauptschüler offensichtlich so wenig wert sind, dass sie keine Unterstützung erfahren“. Ihr Ärger wird noch dadurch verstärkt, dass sie ab nächstem Schuljahr die schwierigen Schüler aus den „BB-10-Lehrgängen“ übernehmen sollen. Das sind kleine Lerngruppen, die bisher an den Oberstufenzentren angesiedelt sind. In ihnen wird versucht, Schülern mit gescheiterter Schulkarriere doch noch zu einem Hauptschulabschluss zu verhelfen. Nun sollen die Hauptschulen die Aufgabe übernehmen, aber ohne genügend zusätzliches Personal.

Noch ein drittes Problem belastet die Hauptschulen: Nach den Sommerferien sollen sie ihre neunten und zehnten Klassen aufteilen, damit die schwächeren Schüler vorzeitig einen Unterricht mit mehr Praxisbezug in Betrieben bekommen. Auch dieses Vorhaben mit so genannten Praxis- und Stammklassen sei „nicht personell unterfüttert“, kritisieren die Schulleiter. Außerdem werfen sie Böger vor, die Hauptschulen mit ihren Problemen alleine zu lassen: In Berlin gehen die schwächsten acht Prozent eines Jahrgangs auf die Hauptschulen, ein Drittel schafft keinen Abschluss, bis zu 30 Prozent schwänzen den Unterricht, Lehrstellen gibt es für sie kaum. Die Schulverwaltung will sich am heutigen Freitag zu den Vorwürfen äußern.

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