Berlin : Hauptstadt der Bahnkonzerne

Connex verlagert die Zentrale aus Frankfurt (Main) sowie das Potsdamer Büro nach Berlin und bringt rund 100 Arbeitsplätze mit

Klaus Kurpjuweit

Berlin wird zum Zentrum der Bahnunternehmen. Die Deutsche Bahn AG hat ihren Konzernsitz bereits in der Stadt und nun folgt mit der deutsch-französischen Firmengruppe Connex der größte Konkurrent des einstigen Monopolbetriebs. Connex verlagert noch in diesem Jahr seine Zentrale aus Frankfurt (Main) nach Berlin. Bereits hierher gekommen ist die bisherige Regionalabteilung aus Potsdam, die gestern in dem Neubaukomplex an der Georgenstraße in Mitte gegenüber dem Bahnhof Friedrichstraße offiziell die Arbeit aufgenommen hat. Insgesamt gewinnt die Stadt durch die Umzüge rund 100 Arbeitsplätze.

„Der Firmensitz in Berlin ist wichtig, um mitreden zu können“, begründet der Leiter der Connex-Geschäftsentwicklung, Hans Leister, den Umzug an die Spree. Viele Termine fänden inzwischen in der Stadt statt; da seien kurze Wege wichtig. Zudem sei das bisherige Hin- und Herreisen zur Connex-Zentrale in Frankfurt (Main) auf Dauer uneffektiv. Leister erwartet, dass die meisten Mitarbeiter den Umzug mitmachen werden. Sie erhalten dafür auch eine Beihilfe. Wer nicht kommen will, bekommt nach einem Sozialplan eine Abfindung. „Ein verordneter Umzug ist selten schön, doch wenn es nach Berlin geht, sind die Probleme nicht so groß“, ist Leister überzeugt.

Connex betreibt in Deutschland im Fernverkehr zwei Linien auf eigenes Risiko von Gera nach Rostock und zwischen Zittau und Stralsund, die jeweils über Berlin führen. Insgesamt ist die deutsche Connex-Gruppe nach eigenen Angaben an über 40 Verkehrsunternehmen beteiligt und beschäftigt knapp 3300 Mitarbeiter. In Berlin mischt Connex unter anderem bei der Industriebahn Berlin mit, die Güterverkehr betreibt. Auch an der Heidekrautbahn, die von Karow nach Wensickendorf und Groß Schönebeck fährt, ist Connex beteiligt. Außerdem fährt die Schöneicher-Rüdersdorfer Straßenbahn im Osten Berlins unter Connex-Regie. In Görlitz hat das Unternehmen die gesamten Stadtwerke übernommen – mit dem Energie-und dem Verkehrssektor.

In Berlin meldete Connex im vergangenen Jahr Interesse am Betrieb der S-Bahn auf dem Ring an. Auch für eine Übernahme von BVG-Leistungen steht Connex in den Startlöchern. Rückenwind kommt dabei aus Brüssel. Weil die Vergaberegeln nicht eingehalten worden seien, hat die EU-Kommission Verträge für nichtig erklärt, wie sie von mehreren Ländern, darunter auch Brandenburg, mit der Bahn abgeschlossen wurden.

Leister arbeitete bis Ende 2000 selbst bei der Bahn. Von seinem neuen Büro aus kann er nun direkt auf den Bahnhof Friedrichstraße blicken. Noch sieht er dort nur Züge der Bahn AG. Doch das soll sich ändern.

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