Berlin : Hauptstadt-Kulturfonds: 2001 sind bereits 5 der 20 Millionen vergeben

Christiane Peitz

Schöne Wörter sind das: nationale und internationale Ausstrahlung. Innovativ. Interdisziplinär. Mit bedeutender Tradition. So und ähnlich lauten die Kriterien für die Vergabe der Fördergelder aus dem Haupstadtkulturfonds, auf die sich der Bund und Berlin vertraglich geeinigt haben. 20 Millionen der insgesamt 100 Millionen Mark, die Kultur-Staatsminister Michael Naumann jährlich bereithält, stehen dem Fonds zur Verfügung. Alle Welt redet derzeit von den Verhandlungen um die restlichen 80 Millionen für bundesfinanzierte Berlin-Highlights. Aber auch die 20 Millionen haben es in sich, sind es doch unbürokratisch bewilligte Gelder, nicht für die Leuchttürme, sondern für Projekte, die die schönen Kriterien erfüllen.

Die Idee für den Fonds entwickelte vor fünf Jahren der Rat für die Künste. Ausgangspunkt, so deren Sprecher Elmar Weingarten, im Hauptberuf Intendant der Berliner Philharmoniker, war das Problem der pauschalen Zuweisung von Bundesgeldern für Berlins Kultur. Ein Problem, das sich Michael Naumann zu Herzen nahm und das mit der Ernennung des ehemaligen Kultursenators Dieter Sauberzweig, diesem "Glücksfall von Kurator" (Weingarten) endlich angepackt wurde. Sauberzweig berät die Antragsteller, gemeinsam mit seinem Beirat, den der Rat für die Künste bestellt. Entschieden wird von einer Kommission, der neben Sauberzweig je zwei Vertreter des Bundes und des Landes angehören.

Ein Blick auf die Liste der bisherigen Zusagen für das Jahr 2000 macht allerdings stutzig. Neben Projekten wie etwa dem Literaturexpress 2000, dem "young. euro.classic"-Musiksommer, dem Karneval der Kulturen oder der Konzertreihe "Musikmissbrauch!", finden sich darauf auch Veranstaltungen der Berliner Festspiele, des Hauses der Kulturen der Welt und der Akademie der Künste: wahrlich etablierte Institutionen, die wie im Fall des Theatertreffens in den Genuss so genannter Regelförderung kommen. Wie bereits gemeldet, sind 10 der 20 Millionen Mark ohnehin durch ältere Zusagen gebunden, etwa für Peter Steins "Faust"-Projekt und für das Deutsche Historische Museum.

Wird sich das ändern? "Das", räumt Sauberzweig ein, "ist eine offene Frage". Bereits jetzt ist klar, dass 5 der 20 Millionen Mark auch 2001 nicht frei zur Verfügung stehen. Ziel sei es aber, dass der Fonds eines Tages nicht mehr durch Vorausbindungen eingeschränkt ist. Ein Thema, das sich Naumann und Kultursenator Christoph Stölzl am Rande ihrer Verhandlungen über den Hauptstadtkulturvertrag vornehmen müssen.

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