Hauptstadtflughafen BER : Baustellen-Besuch: "Es ist eine einzige Farce"

17.08.2012 00:00 Uhrvon
Hinter verschlossenen Türen tagt der BER-Aufsichtsrat. Foto: dpa
Hinter verschlossenen Türen tagt der BER-Aufsichtsrat. - Foto: dpa

Es sind Geschichten wie aus dem Tollhaus, von denen auf der BER-Baustelle zu erfahren ist. "Mit dem Material, das wir wegwerfen, könnte man eine Kleinstadt bauen", berichtet ein Trockenbauer. Währenddessen tagt der Aufsichtsrat - absolut brandschutzsicher.

Einen brandschutzsichereren Tagungsort hätten sie nicht finden können. Die schwarzen Limousinen der Aufsichtsratsmitglieder und Flughafenchefs steuern am Morgen die „Feuerwache Ost“ an, einen grauen Kasten an der südlichen Flughafenperipherie. Kamerateams legen sich vor dem Sicherheitszaun auf die Lauer, um einen BER-Promi beim Frischluftschöpfen zu stellen. Sonst erfährt man hier wenig Neues.

Einige hundert Meter nordwestlich, am Willy-Brandt-Platz, der künftigen Terminalpiazza mit Springbrunnen und Sonnenterrasse, macht eine Malerkolonne Frühstückspause. Die jungen Herren sind etwas maulfaul. Der Flughafen sei doch wie jede andere Baustelle, „Stress ist überall“, dabei sehen sie sehr entspannt aus.

Sie malern die Parkhäuser und überpinseln Schadstellen, die andere Bauleute verursacht haben. Wann sie damit fertig sind, wissen sie nicht.

Eine Schadstelle ist jetzt auch das neue Willy-Brandt-Platz-Schild vor dem Steigenberger-Hotel, abgeknickt, ist wohl jemand gegengefahren. Zwei Behelmte beugen sich über einen Plan, ihre rote Weste weist sie als „Ingenieure für Brandschutz“ aus. Das sind hier die Entscheider, Daumen hoch heißt Flugbetrieb kann starten, Daumen runter weiter warten. Auf Nachfrage lächeln sie nur. „Wir haben viel zu tun. Schönen Tag noch.“
Am Willy-Brandt-Platz verkehren keine Flugzeuge, aber Busse. Die Linie 734 fährt nach Schönefeld oder Zeuthen und die 263 nach Grünau. Allerdings nur einmal pro Stunde. Drinnen sitzen meistens Bauarbeiter oder Fachbesucher. Touristen und Berliner verirren sich eher selten hierher.

Aktuelle Stimmen und Entwicklungen im BER-Desaster:

Gegen 11 Uhr steht ein Trockenbauer an der Haltestelle. Auch er sieht ganz entspannt aus. Wie die Malerkollegen. Warum er um diese Zeit schon Feierabend macht? „Wir liegen ja doch nur herum.“ Das könne er ja genauso gut an einem See tun.

Arbeit gebe es eigentlich genug, nur sei die Finanzierung nicht mehr sicher, deshalb würden die Bauleiter nur noch Kleinigkeiten machen lassen, hier mal ein Loch bohren, dort etwas nachspachteln.
Und dann erzählt der Brite, der schon öfter auf Berliner Großbaustellen aktiv war, Geschichten wie aus dem Tollhaus. „Was wir hier gebaut haben, ist schon alles wieder abgerissen, wegen Grundrissänderungen. Mit dem Material, das wir wegwerfen, könnte man eine Kleinstadt bauen.“ Eine Optikerfiliale werde zum Schnellrestaurant umdisponiert, ein Bürotrakt zur Kantine – „eine einzige Farce. So was habe ich in 24 Jahren, die ich den Job jetzt mache, noch nicht erlebt.“

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