Hauptstadtflughafen BER : Baustellen-Besuch: "Es ist eine einzige Farce"
17.08.2012 00:00 UhrEin "modernes und nachhaltig betriebenes Infrastrukturprojekt"?
Decken würden abgehängt, obwohl Rohre und Elektrokabel noch nicht verlegt sind, nur um vertraglich fixierte Termine zu halten. Seinen Chef freut es: doppelte Arbeit, doppelte Bezahlung. „Ich habe 100 Quadratmeter zugeschraubt, wobei mir klar war: Das wird alles wieder aufgerissen.“ Inzwischen leide seine Handwerkerehre unter diesem Irrsinn. „Schuld ist die Organisation. Es gibt keine Bauleiter, die für einen bestimmten Abschnitt zuständig sind.“ Das sei an Großbaustellen aber so üblich.
Ein Bauarbeiter, der sich aus Frust in Rage redet. Einiges mag übertrieben sein, aber deshalb im Kern nicht unglaubwürdig. Als er vor drei Jahren anfing auf der BER-Baustelle, erzählt er weiter, seien alle noch motiviert gewesen, inzwischen habe sich aber Lethargie breitgemacht. BER-Sprecher Ralf Kunkel findet es „ganz normal“, dass bei einer fünfjährigen Bauzeit mal etwas umgeplant wird und Wände wieder verschwinden.
Im neuen Besucherzentrum, ebenfalls am Willy-Brandt-Platz, steht auf einer Infotafel der denkwürdige Satz: „Der Flughafenterminal ist als modernes und nachhaltig betriebenes Infrastrukturprojekt gebaut worden.“
Das Flughafen-Desaster in Bildern
Ein Bauingenieur aus Müncheberg ist unter den vielen Journalisten der einzige echte Besucher hier. Er findet es richtig, dass sich die Verantwortlichen lieber blamiert haben, als einen unfertigen Flughafen zu eröffnen. Allerdings hat sein Zutrauen in „hoch bezahlte Architekturbüros“ wie Gerkan und Partner sehr gelitten. Sohn Gregor fliegt im September nach Australien, am 10. März 2013 wieder zurück. Der neue Flughafen wird dann immer noch Baustelle sein.
Aber das Leitsystem ist schon auf gutem Weg. Straßenschilder sind aufgestellt, große braune Tafeln erklären, wo man gerade steht. Und es gibt schöne Radwege durch die neuen Grünanlagen. Auf dem „P 6“, nicht weit weg vom Terminal, darf jeder kostenlos parken. Gerade ist René Schulze angekommen. Heute ist Bauabnahme seiner Praxis für Physiotherapie am BER. Alles fertig, nur die Kunden fehlen. Bis Ende des Jahres könne er sich finanziell noch über Wasser halten, dann drohe ihm die Privatinsolvenz. Schulze hofft, dass ihm bis dahin ein Rettungsfonds hilft, doch den gibt es noch nicht.









































