Hauptstadtforum des Tagesspiegels : Welche Werte braucht das Kind?

Kein Erziehungsratgeber hat in den letzten Monaten für mehr Gesprächsstoff gesorgt, als Bernhard Buebs Streitschrift „Lob der Disziplin“: Dementsprechend groß war gestern der Andrang beim Hauptstadtforum des Tagesspiegels.

Kein Erziehungsratgeber hat in den letzten Monaten für mehr kontroversen GesGesprächsstoff gesorgt, als Bernhard Buebs konservative Streitschrift „Lob der Disziplin“. Über 400 000 Mal verkaufte sich der Bestseller des pensionierten Internatsleiters von Schloß Salem. Die Debatte um Werte, Tugenden und den richtigen Weg in der Kindererziehung hat offenbar gerade erst angefangen. Dementsprechend groß war gestern der Andrang beim Hauptstadtforum des Tagesspiegels und der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft „Werte verboten? Was Kinder stark macht“. Moderiert von der stellvertretenden Tagesspiegel-Chefredakteurin Ursula Weidenfeld diskutierten Bernhard Bueb und Krista Sager, die Vizefraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag. Wertevermittler wie Lehrer, Professoren und Eltern füllten den Saal der European School of Management im Staatratsgebäude am Schlossplatz.

Der erste Teil der Diskussion folgte der Regel: keine Debatte über deutsche Schul- und Erziehungskrisen ohne 68er-Schelte. Deren Demontage staatlicher und gesellschaftlicher Autoritäten, habe neutrale Tugenden wie Fleiß, Disziplin und Gehorsam bis heute in ein schiefes Licht gesetzt, meint Bernhard Bueb. Krista Sager hält den Einfluss dieser „politischen Minderheit“ für deutlich begrenzter und betont, dass die 68er disziplinierte Leute waren, aus denen was geworden sei. Anders als Bueb und 85 Prozent der in einer Forsa-Umfrage befragten Deutschen glaubt sie nicht, dass es den Kindern heute an Disziplin fehlt. Das Problem seien vielmehr die Kinder aus bildungsfernen, überforderten Elternhäusern, „die einfach rausfallen.“ Denen müsse man sich zuwenden, fordert sie, und bekommt Beifall vom Publikum.

Dem stimmt der genau wie Sager charmant und konsensbereit auftretende Bueb zu. Er fordert, dass sich Lehrer wieder stärker als Erzieher begreifen sollten, „deren Platz bis 17 Uhr in der Schule ist“. Da spenden sogar Lehrer Szenenapplaus. Ganztagsbetreuung und stärkere vorschulische Förderung hält er genau wie Sager für den richtigen Weg, Kinder zu stärken, gerade auch jene Kinder aus desinteressierten Familien. „Kein Kind geht verloren, an das ein Lehrer glaubt“, davon ist Bueb überzeugt. Aber dazu müsse er es gut kennenlernen. Seinem Vorschlag, das Kindergeld zu kürzen, um Schulen besser auszustatten, stimmt Krista Sager nicht zu. Einig sind sich beide in der Forderung, den „Jungen als Troublemaker“ in der Schule mehr männliche Vorbilder anbieten zu wollen. Die Männer machten sich nämlich als Grundschullehrer und Erziehungsberechtigte gleichermaßen rar. gba

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