Berlin : Haus der Berliner Festspiele: Erst die Party und dann ...

Christine-Felice Röhrs

Wenn ein Theater leersteht, dann tut das den Theatermenschen körperlich weh. Insofern war die Neueröffnung der Freien Volksbühne an der Schaperstraße Samstagabend als Haus der Berliner Festspiele ein wirksames Schmerzmittel. "Mir war immer ganz mau, wenn ich hier vorbeifuhr und kein Licht brennen sah", sagte Gerd Warmeling. Der "Staatsanwalt" aus Wolffs Revier und Theaterschauspieler kannte den Bau aus dem Jahr 1963 noch, als die Holzvertäfelung in der Lobby einen nikotinbedingten Grauschleier hatte und abgetretener Teppich den Boden bedeckte. Jetzt freut sich Warmeling, dass alles renoviert und frisch geschrubbt ist. Um künftige Nikotinschäden zu verhindern: Rauchverbot in der Lobby, wo das wenig künstlerische Büfett aufgebaut war (Frikadellen, Geschnetzeltes, Gratin, Rote Grütze). Moritz de Hadeln, Berlinale-Chef, trieb der Schmacht ins Freie - obwohl doch nach Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin auch Jürgen Flimm auf der Bühne sprechen sollte. "Verpass ich die eben", sagte er achselzuckend und sog heftig an der Zigarette. Eine Woche dauert de Hadelns Amtszeit als Berlinale-Chef noch. Der 1. Mai ist sein erster freier Tag. "Dann stelle ich zwei rote Fahnen auf den Balkon und singe ab sieben Uhr früh die Internationale", witzelte er. Ernster sagte er dann, dass er sich schon ein ganz klein wenig Sorgen mache um die Zukunft. Ob seine Filmberatungs-Agentur wohl laufen wird? "Vielleicht denken auch alle, ich bin zu teuer."

Drinnen, während auf der Bühne die After-Show-Party stattfand und die ersten zu den 17 Hippies tanzten, stand der Neue, Dieter Kosslick, und erzählte davon, wie er gerade in Berlin eine Wohnung suche. "Dachgeschoss mit Fahrstuhl" wünscht er sich. Am liebsten in der Wörtherstraße in Prenzlauer Berg. "Da kann man Kaffeetrinken wie in Paris." Fast ein bisschen provozierend dann: "Sartorius und ich, wir mögen uns." Was bedeutet: Zwischen ihm als Berlinale-Leiter und dem Festpiele-Chef Joachim Sartorius wird es engere Beziehungen geben als vorher unter de Hadeln. Am 2. Mai fängt Kosslick an: "Am 1.Mai gehe ich noch demonstrieren."

Im gleichen Eck auf der Bühne hat sich Schauspieler Vadim Glowna mit einem Glas Rotwein eingerichtet. Den Kollegen Eva Matthes und Dieter Laser erzählt er von seinem Orgelunterricht. Ende des Jahres wird er Johann Sebastian Bach spielen, "und ohne Orgel geht da nix". Zur Freien Volksbühne hat Glowna ein "sentimentales Verhältnis", seit er hier in den 80er Jahren unter Kurt Hübner spielte. Ein bisschen stört ihn, dass nur die alte West-Berliner Gesellschaft zusammengekommen sei. "Eigentlich hatten wir diese Selbstghettoisierung doch schon überstanden."

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