Berlin : Haus ohne Boden

Werner van Bebber

Das waren noch Zeiten, als der Regierende Bürgermeister unter dem Motto „Klaus Wowereit trifft Giacomo Puccini“ eine CD mit Arien von einem seiner Lieblingskomponisten vorstellte. Damals, 2002, überraschte Wowereit diejenigen, die ihm die ernsthafte Neigung zur Kultur nicht abgenommen hatten, mit einem charmanten Auftritt auf ungewohnter Bühne. Bei Amazon ist die Doppel-CD ausverkauft.

Inzwischen aber hat Wowereit eine Menge Gründe, still und leidend in sich hinein zu seufzen, wenn es um die Berliner Opern geht. Die Staatsoper, dieses eindrucksvolle Gebäude, erscheint jeden Tag problematischer. Lange hieß es, sie stehe unmittelbar vor dem Zusammenbruch, kurz vor der baupolizeilichen Sperrung. Aber der Betrieb läuft weiter. Und während eindrucksvolle Aufführungen über die Bühne gehen, steigen – nicht täglich, aber ständig – die Kostenvoranschläge für die Sanierung. Eine Art Fitzcarraldo ist hier gefordert – einer wie jener von Klaus Kinski dargestellte Opernfanatiker, der im Film von Werner Herzog der Dschungelstadt Iquitos ein neues Opernhaus brachte. Das wäre doch eine schöne Herausforderung für Wowereit.

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