Berlin : Haus Schwarzenberg: Zweiter Anlauf für die Versteigerung

Ausstellung zeigt Fundstücke aus der Geschichte des Gebäudes

Till Schröder

Sie freuten sich über die vielen leer stehenden Häuser, die Künstler aus den westlichen Bezirken, als sie nach dem Mauerfall den Ostteil Berlins entdeckten. Sie fanden nicht nur billige Räume für ihre alternativen Kulturprojekte, sondern auch allerlei Alltagsgegenstände aus der Vergangenheit. In einem der letzten Kulturbiotope aus dieser Zeit, dem Haus Schwarzenberg neben den Hackeschen Höfen, vermittelt eine Ausstellung ein bisschen von den damaligen Entdeckerfreuden. „Fundstücke – Die verborgene(n) Geschichte(n) des Hauses Rosenthaler Straße 39“ zeigt bis zum 23. November einige dieser aufregenden Überbleibsel.

Unter den Fundstücken ist beispielsweise ein Karton voller Lucky-Strike-Zigaretten. Angeblich soll sie ein US-Offizier in den 50er Jahren für seine Geliebte in den Osten geschmuggelt haben. Filmschnipsel erinnern an den DDR-Verband der Film- und Fernsehschaffenden, dessen Büros im Vorderhaus und die Betriebskantine im heutigen Café Central untergebracht waren. Einen Tresor öffneten die Künstler mit dem Schweißbrenner an der Rückwand – und fanden nur die Ersatzschlüssel. Aber was in den vier kleinen, verriegelten Fächern liegt, weiß man (noch) nicht.

„Von einem geschichtsträchtigen Ort mitten im Herzen Berlins“ sprach Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, als er die Ausstellung als deren Schirmherr eröffnete. Der prominente Beistand kommt dem Verein „Schwarzenberg“ sehr gelegen, denn die Existenz der Kultureinrichtung ist bedroht. Der Kulturverein verwaltet seit 1995 rund zwei Dutzend Einrichtungen in dem zentral gelegenen Ensemble, darunter viele Ateliers, die Galerie Neurotitan, das Programmkino Central und die Ausstellungsräume der Künstlergruppe „Dead Chickens“. Zu den Mietern des Haus Schwarzenberg gehört auch die Anne-Frank-Stiftung und das Jüdische Museum mit der ehemaligen Blindenwerkstatt des Besenmachers Otto Weidt, der Juden vor der Verfolgung durch die Nazis versteckte.

Am heutigen Dienstag ist der zweite Termin für eine Zwangsversteigerung des Hauses anberaumt. Das Baudenkmal gehört den verstrittenen Erben des letzten Eigentümers Ernst Wachsner. Die erste Auktion im April dieses Jahres wurde nach einer halben Stunde ergebnislos abgebrochen. Vermutlich war das Mindestgebot von 1,5 Millionen Euro zu hoch.

Der Verein Schwarzenberg kann heute durch Spenden und die Partnerschaft mit dem Sozialpädagogischen Institut Berlin (SPI) selbst mitbieten. Falls ein Investor das Haus kaufe und für eine kommerziellen Nutzung umbaue, „muss er sich auf kalten Gegenwind aus der Öffentlichkeit einstellen“, glaubt Schwarzenberg-Vereinsvorstand Henryk Weiffenbach. „Das rechnet ein Investor in den Preis der Immobilie mit ein. Sie wird dadurch sehr teuer.“

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