Hausbesetzung : Bethanien bleibt Übergangsdomizil für "Yorck59"

Die Bewohner des Anfang Juni von der Polizei geräumten links-alternativen Wohnprojekts Yorckstr. 59 in Berlin- Kreuzberg haben vorerst ein neues Domizil. Sie dürfen in dem von ihnen besetzten Künstlerhaus Bethanien am Mariannenplatz bleiben, bis sie ein neues Dauerquartier gefunden haben.

Berlin (22.06.2005, 16:10 Uhr)) - Bis Mitte Juli werde mit ihnen ein befristeter Nutzungsvertrag abgeschlossen, sagte Bezirksbürgermeisterin Cornelia Reinauer (PDS) am Mittwoch nach einem Gespräch mit den Besetzern auf Anfrage.

Nachdem vor einer Woche schon zwischenzeitlich Polizisten aufgezogen waren, um das Künstlerhaus zu räumen, ist es jetzt damit doch noch zu einer einvernehmlichen Lösung gekommen. «Wir begrüßen es sehr, dass durch politischen Druck dieses Ergebnis erreicht worden ist und das Hausprojekt erhalten werden kann», sagte eine «Yorck59»- Sprecherin. Reinauer betonte, sie sei froh über diesen Ausgang.

Dafür stellt der Bezirk laut Reinauer allerdings Bedingungen. So müssen die Bewohner die Betriebskosten für die Räume im Seitenflügel des Bethanien tragen. Zudem müssten sie so schnell wie möglich die vom Liegenschaftsfonds angebotenen Ersatzgebäude für ihr Wohnprojekt prüfen. Diese liegen in der Löwestraße, der Scharnweberstraße und der Friedenstraße in Friedrichshain.

Das Bethanien selbst komme als endgültiges Domizil für das Wohnprojekt nicht in Frage. «Wir stehen zu dem Konzept, dort einen Kunst- und Kulturstandort zu entwickeln», erläuterte Reinauer. Der Bezirk stehe in Verhandlungen mit einem Investor über einen Erbbaupachtvertrag für die derzeit vom «Yorck59» genutzten Räume.

Nach der Räumung des Wohnprojekts «Yorck59» am 6. Juni hatten ehemalige Bewohner und Sympathisanten wenige Tage später einen leer stehenden Seitenflügel des Bethanien in Beschlag genommen. Im «Yorck59» hatten etwa 60 Menschen gelebt, darunter elf Kinder. Ferner waren dort zahlreiche Initiativen unter anderem für Flüchtlinge untergebracht. Der jetzige Eigentümer hatte jedoch die Miete für das Haus verdoppelt, das 17 Jahre lang für alternative Projekte genutzt worden war. Als die Bewohner daraufhin nicht zahlten und auch angebotene Ersatzwohnungen ablehnten, räumte die Polizei das Gebäude. (tso)

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