Berlin : Hausdurchsuchung in der Affäre Tierheim

Staatsanwälte prüfen jetzt auch Privatkonten der Ex-Chefs wegen des Vorwurfs der Bereicherung

Christoph Stollowsky

Polizei und Staatsanwaltschaft haben die Wohnungen der früheren Führungsriege des Berliner Tierschutzvereines und Tierheimes durchsucht und private Bankkonten der vier Beschuldigten geprüft. Am Donnerstagabend wurden „etliche Unterlagen sichergestellt“, sagte gestern der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Michael Grunwald. Wie berichtet, hat Vereinspräsident Wolfgang Apel Strafanzeige wegen Betruges gegen die bisherigen Vorstandsvorsitzenden des Vereines und zwei Geschäftsführer des vom Verein betriebenen Tierasyls gestellt, weil sie sich „um bis zu 500 000 Euro“ auf Kosten des Tierschutzes bereichert hätten. Unterdessen gerät aber auch Apel in die Kritik: Ihm wird vorgeworfen, er habe seine Aufsichtspflichten als Präsident vernachlässigt. Das Finanz-Controlling im Verein sei unzureichend.

Wie erst am Freitag bekannt wurde, erwirkte die Staatsanwaltschaft einen richterlichen Durchsuchungsbeschluss für den Wohnsitz des Ehepaares Carola Ruff und Volker Wenk in einem brandenburgischen Dorf im Elbe-Elster-Kreis. Wenk war 15 Jahre lang Geschäftsführer des Tierschutzvereines und übernahm nach seiner Pensionierung vor einem Jahr das Amt des ersten Vorsitzenden. Seine Frau führte seitdem die Vereinsgeschäfte. Durchsucht wurden zudem die Berliner Wohnungen der Vize-Vereinsvorsitzenden Simone Mierheim und des erst vor vier Monaten eingestellten zweiten Geschäftsführers, Rainer Polle.

„Wir verschaffen uns so nach Durchsicht der Anzeige ein komplettes Bild“, heißt es bei der Staatsanwaltschaft. Präsident Apel hatte seiner Anzeige bereits Unterlagen beigefügt, „um Vorwürfe wie Betrug oder Unterschlagung zu belegen“, so sein Sprecher Thomas Schröder. Wegen dieser Beschuldigungen traten die angezeigten führenden Tierschützer zurück oder wurden entlassen. In den vergangenen Tagen sichtete Apel weitere Akten: Dabei erhärtete sich nach den Worten seines Sprechers Schröder der Verdacht, „dass es überhöhte oder falsche Spesenabrechnungen gab“. Zudem seien dem neuen Geschäftsführer monatlich etwa 2000 Euro mehr Gehalt ausgezahlt worden, als vom Vorstand beschlossen.

Die Beschuldigten reden hingegen von „Rufmord“ und streiten alle Vorwürfe ab. „Die Anzeige des Vereinspräsidenten ist substanzarm“, sagt Rechtsanwalt Johannes Eisenberg, der Volker Wenk gegenüber der Öffentlichkeit vertritt.

Doch auch in den eigenen Reihen wird der Präsident des Berliner Tierschutzvereines Wolfgang Apel angegriffen. Tierschützer wie der Geschäftsführer des Hamburger Tierheimes Wolfgang Poggendorf werfen ihm vor, er habe sich „durch Ämterhäufung“ überlastet. Apel ist auch Präsident des Deutschen Tierschutzbundes und des Bremer Tierschutzvereines. Folglich sei er kaum fähig gewesen, die Berliner Vereinsgeschäfte mit dem Vorstand aufmerksam zu leiten und konsequent zu überwachen.

Dem Tierschutzverein gehören 16 000 Mitglieder an, sein Tierheim hat 74 Angestellte und erhält jährlich Spenden von zwei Millionen Euro – der Verein ähnelt einem größeren Unternehmen. Doch im Vergleich zu anderen Großvereinen oder Firmen erscheint das Sicherungssystem dürftig: Es sind weniger externe Kontrollen vorgesehen (s. Kasten). Der Sprecher des Präsidenten sagt dennoch: „Wir haben nicht versagt.“ Sein Chef Wolfgang Apel war gestern nicht zu sprechen.

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