Hausdurchsuchung : Polizei findet Revolver in Wohnung von Kurras

Der ehemalige West-Berliner Polizist und Stasi-Agent Karl-Heinz Kurras hatte erst vor kurzem beteuert, keine Waffen mehr zu besitzen. Bei einer Hausdurchsuchung wurde die Polizei dennoch fündig.

Werner van Bebber
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Foto: ddp

Die Staatsanwaltschaft hat den ehemaligen Polizisten Karl-Heinz Kurras offenbar des illegalen Waffenbesitzes überführt. Kurras’ Wohnung in Spandau ist am Freitag durchsucht worden. Der Ex-Polizist, der am 2. Juni den Studenten Benno Ohnesorg erschossen hat, war vor einigen Wochen als Agent der DDR-Staatssicherheit bekannt geworden. Über Kurras’ Motiv für den tödlichen Schuss auf den unbewaffneten Studenten wird seither neu spekuliert.

Ein Staatsanwalt und drei Polizisten hätten bei der Durchsuchung einen Revolver vom Kaliber 38 und einen Totschläger sichergestellt, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Für den Revolver habe der 81-Jährige keine waffenrechtliche Erlaubnis vorweisen können. Erst kürzlich hatte Kurras eine Pistole und seine Waffenbesitzkarte freiwillig abgegeben. Woher der Verdacht kam, dass Kurras nicht alle seine Schusswaffen abgeliefert hat, war bei der Staatsanwaltschaft nicht zu erfahren. Derzeit prüfen die Ankläger auch den letzten Band von Kurras’ umfangreicher Stasi-Akte, der den Zeitraum um den 2. Juni 1967 umfasst.

Kurras’ Faszination von Schusswaffen war der Stasi von Anfang an bekannt. In seinem ersten Lebenslauf für die Stasi hatte Kurras berichtet, dass er kurz nach dem Krieg von Sowjets mit einer Pistole angetroffen wurde und dafür vier Jahre im „Internierungslager Sachsenhausen“ eingesperrt war. Durch alle weiteren Einschätzungen der Stasi ziehen sich die Hinweise darauf, dass das Schießen Kurras’ Leidenschaft war. Die nun fast vollständig vorliegende Stasi-Akte lässt überdies erkennen, dass Kurras’ Führungsoffiziere sein Potential schnell erkannten. „Er weiß, worauf es ankommt und ist stets bemüht, seinen Möglichkeiten entsprechend, brauchbares Material zu den Treffs vorzubringen“, heißt es Ende März 1960 – da war Kurras seit fünf Jahren in Stasis-Diensten. Außerdem hält sein Führungsoffizier fest, dass „mit dem IM abgesprochen wurde“, zur Kripo zu wechseln.

Spätere Einschätzungen zeigen, dass die Stasis-Führungsoffiziere Kurras in der Politischen Abteilung der Kriminalpolizei sehen wollten. Schon Tage vor dem Mauerbau plante die Stasi dessen Kurz-Ausbildung im Funken, damit er seine Berichte über den Äther liefern konnte. Der Stasi stellte sich Kurras als jemand vor, der an einer „positiven Entwicklung der DDR“ stark interessiert ist. Man kam immer enger zusammen. Die Stasi zahlte gut und regelmäßig Informationshonorare, Kurras arbeitete an seiner Versetzung. Im März 1962 hielten seine Führungsoffiziere fest, dass Kurras Anwerbung „auf der Basis der ideologischen Überzeugung“ erfolgt sei und der West-Berliner Polizist „schon mehrmals seine Ehrlichkeit bewiesen hat“ und „umfangreiche dienstliche Unterlagen wie Alarmpläne, Dienstanweisungen usw. beschafft“ habe.

Von anderen Fällen ist bekannt, dass die Mitarbeiter der Stasi immer daran interessiert waren, in ihren Akten gut und erfolgreich auszusehen. Dennoch findet sich schon in einer Einschätzung von 1962 ein heute merkwürdig erscheinender Satz: Mitarbeiter Kurras war nach Einschätzung seiner Führungsoffiziere „bereit, jeden Auftrag für das MfS auszuführen“. Werner van Bebber

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