Berlin : Haussegen

Katholische Baugesellschaft Petruswerk wird 50

Christian van Lessen

Auf dem einstigen Schlachthofgelände in Prenzlauer Berg entstehen in drei Bauabschnitten rund 600 Wohnungen – unter christlicher Aufsicht. Bauherr dieses und mehrerer anderer Projekte in Berlin ist die Unternehmensgruppe Avila, zu der das Petruswerk gehört, eine katholische Wohnungsbaugesellschaft mit Sitz in Zehlendorf. Sie errichtet gerade berlinweit rund 1000 Wohnungen und zählt zu den größten Bauherren der Stadt. Heute vor 50 Jahren wurde das Petruswerk gegründet.

Die stolzen Bauaktivitäten passen gut zum Jubiläum eines Unternehmens, das unter den Berliner Wohnungsbaugesellschaften lange als „Perle“ galt, deren Glanz aber mit allgemein nachlassender Bautätigkeit in Berlin schon zu schwinden begann. Seit 2003 und dem Eintritt der Avila-Gruppe – sie stützt die Karmel-Missionsstiftung – sei Aufbruchstimmung zu spüren, sagt Thorsten Eckert vom Petruswerk. Geschäftsführer Douglas Fernando richtete das Unternehmen neu aus, und so entstehen auch Projekte für betreutes Wohnen in Alt-Lankwitz, in Nachbarschaft des denkmalgeschützten Klosters oder an der Götzstraße in Tempelhof. Auf der Halbinsel Stralau entstanden Townhouses. Direkt am Großen Wannsee wurde in den letzten Jahren die zur Filmkulisse avancierte exklusive Wohnanlage fertiggestellt, verkauft aber ist noch nicht alles.

Rund 2500 Wohnungen gehören zum Eigenbestand der Gesellschaft, weitere 3500 werden verwaltet. Längerfristig will das Unternehmen sogar auf einen Bestand von 10 000 Wohnungen kommen, wobei der Name Avila mehr das mittlere und teurere Wohnen, das Petruswerk das günstige bedienen soll. Als katholisches Immobilienunternehmen fühle sich die Gruppe „der Sehnsucht nach einem guten Zuhause“ verpflichtet, wolle Miet- und Eigentumswohnungen vor allem für Familien mit Kindern bauen, „zeitgemäß, bedarfsgerecht und bezahlbar“.

Nach Angaben des Petruswerkes liegt das Mietniveau mit durchschnittlich 4,50 Euro pro Quadratmeter und Monat unter dem Berliner Mittelwert, bei Mietrückständen werde nicht gleich gekündigt, sondern mit den Mietern gesprochen, um Hilfsmöglichkeiten zu erkunden. „Wir versuchen im Rahmen wirtschaftlicher Notwendigkeiten christliches Handeln umzusetzen“, sagt Thorsten Eckert. Wer Mieter werden will, muss nicht katholisch sein.

Gegründet wurde das Petruswerk als Sozialwerk des Bistums Berlin und der deutschen Katholiken von Julius Kardinal Döpfner. 1958 gab es Wohnungsnot, die Stadt stand voller Ruinen. Döpfners Leitgedanke war: „Wohnbau ist Dombau“, ein gutes Zuhause solle breiten Bevölkerungsschichten zugute kommen. Das Petruswerk baute vor allem im Süden und Südwesten Berlins. In die Schlagzeilen geriet es nach dem Verkauf, als der neue Eigentümer Douglas Fernando dem Erzbistum vorwarf, ihn über die bis dahin entstandene wirtschaftliche Not des Petruswerkes nicht hinreichend informiert zu haben, was das Erzbistum zurückwies. Die Wogen haben sich nach „wackligen Zeiten“ geglättet.Christian van Lessen

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