Berlin : Haxen-Kur

Claudia Keller

Pünktlich zu Beginn der Fastenzeit eröffnete ein Franziskaner-Mönch in Charlottenburg ein Restaurant. Während sich immer mehr Deutsche zwischen Aschermittwoch und Ostern mit Salaten, leichten Suppen und Akoholabstinenz physisch und moralisch entschlacken, serviert Bruder Thaddaeus seinen Gästen in der Franziskushof-Stube seit Donnerstag deftige Schweinshaxen, Kasslerbraten und Schweinegulasch. Dazu zapft der 65-jährige gelernte Einzelhandelskaufmann ein ordentliches Bier.

Der Franziskaner in der Wilmersdorfer Straße ist nicht der Erste, der die Regeln bricht. Die Geschichte des Christentums ist reich an Anekdoten, die davon erzählen, wie Gläubige immer wieder Schlupflöcher vor dem Herrn gefunden haben, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Die Schwaben, so heißt es, haben die Maultaschen – jene Teig ummäntelten Fleischklöße – erfunden, damit der Herrgott nicht sieht, wenn sie zur Fastenzeit Fleisch essen. Außerdem verfolgte Pater Thaddaeus ein sehr ehrenwertes Ziel mit seiner Gaststube: Er hat zehn Arbeitslose eingestellt. Dass dies keinen Aufschub duldete, auch nicht bis nach Ostern, dürfte auch seinen Boss überzeugen.

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