Berlin : Heftig hofiert: Motorola steht auf Berlin

Berlin braucht neue, rentable privatwirtschaftliche Arbeitsplätze, fordert Finanzsenator Sarrazin. Noch zieht es nicht genügend Konzerne in die Hauptstadt. Immerhin: Ein paar haben es sich überlegt

Sigrid Kneist

Das ist Balsam für die geschundene Seele der Berliner Verwaltung. Wenn sich Norbert Quinkert, Vorsitzender der Geschäftsführung von Motorola Deutschland, über seine Erfahrungen beim Neubau des Berliner Werkes auslässt, ist er voll des Lobes. „Nur zehn Monate vergingen von der Bauanfrage bis zur Eröffnung“, sagt er. Der ganze Vorgang sei so vorbildlich gelaufen, daran könnten sich andere Kommunen ein Beispiel nehmen. Zu dem Erfolg fällt ihm vor allem ein Name ein: Marlies Wanjura. Die Reinickendorfer Bezirksbürgermeisterin erklärte das Projekt Motorola-Werk zur Chef-Sache – und es klappte.

Wanjura holte alle Amtsleiter an den Tisch. Der Neubau für das weltweit agierende Technologieunternehmen aus den USA – Schwerpunkt Mobilkommunikation – sollte reibungslos vonstatten gehen. Im Oktober 2000 konnte das Werk auf dem alten Borsig-Gelände eröffnen. Auch der Erwerb des Grundstückes verlief ohne Probleme. Der Senat hatte ein gutes Angebot gemacht, die Verhandlungen über Investitionszusagen liefen ebenfalls zügig. In die Klagen über die zweigeteilte Berliner Verwaltung will Quinkert nicht einstimmen: „In einem Flächenstaat hat man es auch mit Landesregierung und Kommunalverwaltung zu tun.“ Eine flexible, öffentliche Verwaltung, wie Finanzsenator Thilo Sarrazin sie fordert, hat der Motorola-Manager also in Berlin durchaus kennen gelernt. Die Standortentscheidung fiel schon einige Jahre zuvor, als der Konzern mit der Übernahme des alten Bosch-Werks in Spandau 1997 nach Berlin kam. Dieser erste Standort mit einer Fabrikation auf mehreren Geschossen entsprach nicht der amerikanischen Philosophie, die von einer Produktion auf einer Ebene ausgeht. Zudem waren die leitenden amerikanischen Motorola-Manager nach Quinkerts Worten sehr beeindruckt von der Aufbruchstimmung in der Stadt.

Im Reinickendorfer Werk werden digitale Funksysteme, die von Sicherheitsbehörden gebraucht werden, zusammengesetzt. Behörden in vielen Ländern werden mit den aus Berlin stammenden Systemen ausgestattet. Zwar ist der Standort mit seinen 500 Mitarbeitern eine eher kleine Produktionsstätte – in Flensburg etwa wurde ein Werk mit 2000 Beschäftigten gebaut. Dennoch ist Berlin ein wichtiges Standbein für Motorola. Führende internationale Behördenchefs seien wochenlang in der Stadt, um die Systeme ausgiebig zu testen, sagt Quinkert. Dies bringe durch den Multiplikatoreneffekt auch Vorteile für Berlin.

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