Berlin : Heijo, Hu!

Stephan Wiehler

Ein bisschen Spaß muss sein, dafür gibt’s Karneval. Aber bei Chinas Kommunisten ist schnell Schluss mit lustig. Ein paar Falun-Gong-Anhänger vor der chinesischen Botschaft, das fällt im demokratischen Ausland unter politische Folklore – und auch die freundlichen Appelle für Freiheit und Menschenrechte, die jede Vertragsunterzeichnung für neue Milliardengeschäfte begleiten, ertragen Pekings Machthaber geduldig.

Aber kritische Journalisten waren am Freitag beim Empfang des chinesischen Staatspräsidenten im Roten Rathaus nicht erwünscht. Mehrere Reporter mussten draußen bleiben. Und den traditionellen Ansturm der Berliner Narren auf das Rote Rathaus wollte der Senat dem chinesischen Staatsgast erst gar nicht zumuten.

Die Karnevalisten mussten aufs Abgeordnetenhaus ausweichen, um den Auftakt der närrischen Saison zu feiern. Das Sicherheitsrisiko wäre zu groß gewesen. Die Narren hätten Hu Jintao möglicherweise die Krawatte abgeschnitten oder ihm den Orden wider den tierischen Ernst umgehängt. Im schlimmsten Fall hätte ihm das Spektakel gefallen, und Hu hätte den Berliner Karneval auf den Platz des himmlischen Friedens exportiert – zur Volksbelustigung und als Zeichen der Demokratisierung. Heijo, Hu! Mao bewahre!

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