Berlin : Heilquelle in Adlershof: Beste Voraussetzungen für Warmduscher

Steffi Bey

Wer die Wirkung einer warmen Heilquelle genießen möchte, müsste möglicherweise nicht mehr verreisen: Berlin könnte ein eigenes Thermalbad erhalten. Denn unter dem Entwicklungsgebiet Adlershof, dem sogenannten Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort (WISTA) an der Rudower Chaussee, befinden sich riesige Heilwasservorräte. "Geologische Gutachten belegen soleführende Sandsteinschichten", sagt Bernhard Hildebrand von Berlin Adlershof Aufbaugesellschaft (BAAG).

Das Wasser ist nicht nur auf 22 Grad vorgewärmt, sondern fließt in nur etwa 300 bis 400 Metern Tiefe. "Normalerweise stößt man erst in 1600 Meter Tiefe auf derartige Vorkommen", sagt der Diplom-Geograph Hildebrand. Doch in einigen Gebieten Berlins und Brandenburgs haben Salzstöcke diese Schichten nach oben gedrückt. Auch unter dem Reichstag gibt es Thermalwasser, das zum Heizen verwendet wird. Fürs Planschen müsste es allerdings noch weiter erwärmt werden.

Bereits seit den 60 Jahren sei bekannt, dass sich auch unter Adlershof eine Thermalsole befindet, weiß Hildebrand. Damals wurde nach Erdöl gesucht. Der Projektentwickler hat diese alten Unterlagen wieder entdeckt, als er Ende 1999 mit der Vermarktung des Geländes begann. Hier entsteht auf 70 Hektar ein Landschaftspark. Geplant waren auf dieser Fläche ursprünglich Sport- und Freizeitanlagen. "Wir haben schlummerndes Wissen reaktiviert."

Inzwischen liegt sogar eine offizielle Bohrgenehmigung vom Oberbergamt Cottbus vor. Das "Erlaubnisfeld" umfasst ein 225 Hektar großes Gebiet. Fest steht schon jetzt, dass die BAAG dieses Bohrrecht an den künftigen Investor übertragen möchte. Im Oktober wird mit einem Interessenbekundungsverfahren die Suche nach einem Käufer und Betreiber in Angriff genommen. Hildebrand ist optimistisch, dass sich einer findet, denn schließlich seien die Voraussetzungen für ein Thermalbad in Adlershof hervorragend. Zu den wissenschaftlichen Einrichtungen und Unternehmen kommen in den nächsten Jahren zahlreiche Wohnungen, ein Stadtteilzentrum, ein Hotel und Restaurants hinzu. Auch die Infrastruktur wird sich verbessern. Geplant ist die Verlängerung der Straßenbahn direkt ins Gebiet. Zudem soll Adlershof einmal Anschlüsse an die Autobahn 113 erhalten.

"Wenn alles optimal läuft, könnte schon im Winter 2002 das Thermalbad öffnen", sagt Hildebrand. Sowohl Familien als auch Geschäftsleute sollen sich dort erholen. Eine Umfrage der BAAG hat ergeben, dass ansässige Unternehmen und Adlershofer von der Idee begeistert sind. Das Investitionsvolumen schätzt die Aufbaugesellschaft auf 50 bis 70 Millionen Mark. Es wird damit gerechnet, dass rund 150 Arbeitsplätze entstehen.

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