Berlin : Heilsame Wirkung

Niedergelassene Ärzte sind mit dem Streik zufrieden und planen neue Aktionen

Ingo Bach[Anne-Dore Krohn]

Öffentliche Aufmerksamkeit – die zumindest hat der gestern beendete Streik den Berliner Ärzten eingebracht. Schon lange nicht mehr wurde so intensiv über die Arbeitsbedingungen niedergelassener Kassenärzte gesprochen wie in der jetzt ablaufenden Woche. „Wir waren sehr positiv überrascht von der Teilnahme“, sagt Albrecht Scheffler, Vorsitzender der Berliner Gemeinschaft fachärztlicher Berufsverbände, einer der Organisatoren des Protests. „Fast die Hälfte aller Arztpraxen hat mitgemacht.“ Was bedeutet, dass knapp über 3000 Mediziner die außerordentlichen Fortbildungskurse der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) besuchten, statt ihre Sprechstunden zu halten.

Wie berichtet, blieben die Arztpraxen am vergangenen Montag und Dienstag im Norden der Stadt geschlossen, am Donnerstag und Freitag im Süden. Besonders regt die Ärzte das neue Arzneimittelsparpaket auf, das in den nächsten Tagen im Bundestag beraten werden soll. Danach sollen Mediziner finanziell bestraft werden, wenn sie Ausgabengrenzen für Arzneimittel überschreiten. „Diese Regelung muss weg“, sagt Scheffler. Deshalb werde am morgigen Sonntag über weitere Aktionen beraten. Denkbar wäre zum Beispiel ein Boykott der Dokumentationspflicht für Leistungen, um gegen die überbordende Bürokratie zu protestieren.

Das Gesundheitsministerium schreibt die große Streikbeteiligung der hohen Praxendichte in der Hauptstadt zu, „da bleibt für den Einzelnen weniger übrig“, sagt ein Sprecher. Insgesamt sei jedoch „eher die Selbstverwaltung der Ärzte gefragt als das Ministerium“. Von der geplanten Ausgabenbegrenzung bei Arzneien werde man nicht abrücken.

Die meisten Patienten hatten sich offenbar auf den Ausstand eingestellt. In Notfällen wichen sie auf die Rettungsstellen der Kliniken aus oder riefen den KV-Bereitschaftsdienst. Der fuhr an den Streiktagen zwischen 7 und 19 Uhr bis zu 250 Einsätze. Normal sind in dieser Zeit etwa 150 Hausbesuche.

Die Krankenkassen hatten während des Streiks ein Beschwerdetelefon für Patienten geschaltet. Rund 110 Anrufer wurden gezählt, sagt Sven Göran Mey, Sprecher des Berliner Ersatzkassenverbandes. Die meisten hätten sich erkundigen wollen, wo sie eine geöffnete Praxis finden. Nur wenige Beschwerden habe es gegeben: etwa, weil ein Arzt an seine Praxistür schrieb „Heute geschlossen!“, ohne eine Vertretung zu nennen. Ein anderer habe mitgeteilt: „Heute nur für Privatpatienten.“

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