Berlin : Heim für psychisch kranke Täter in Wedding geplant

Nach Protesten gegen ein ähnliches Wohnprojekt in Lankwitz will Bezirksamt Anwohner informieren

River Tucker

Ein weiteres Wohnprojekt für psychisch kranke Straftäter soll im Sommer eröffnen. Im August 2007 sollen 14 Straftäter aus dem Krankenhaus des Maßregelvollzugs ins betreute Wohnen im Wedding wechseln. Im Haus der „Zeitraum gGmbH“, dem Träger des Wohnprojekts in der Wiesenstraße, würden auf zwei Etagen Einzelappartements eingerichtet, sagt die Leiterin des Projekt Helen von Massenbach. Tagsüber sollen die Türen offen sein, nachts werde abgeschlossen.

Zuletzt hatte die Vorstellung eines Wohnprojekts für psychisch kranke Straftäter in Lankwitz Unruhe in der Nachbarschaft ausgelöst. Es soll ebenfalls im Sommer eröffnen – und besonders empörte die Anwohner, dass sie davon erst im Tagesspiegel erfuhren.

Karin Rietz vom Bezirksamt Mitte betont, man habe aus der Erfahrung in Lankwitz gelernt: „Wir wollen vorher mit den Menschen sprechen und auf ihre Ängste eingehen.“ In Lankwitz sei zu lange mit der Öffentlichkeitsarbeit gewartet worden, findet auch Heinrich Beuscher, der Landesbeauftragte für Psychiatrie in der Gesundheitsverwaltung. Aber grundsätzlich würden die Anwohner immer erst informiert, wenn das Projekt mit Sicherheit zu realisieren sei. Zeitraum-Leiterin von Massenbach rechnet nicht mit ähnlichem Widerstand wie in Lankwitz. Von Beginn an sei das Bezirksamt, die Polizei und das Quartiersmanagement über die Planung informiert worden. Außerdem sei der Träger Zeitraum mit anderen Wohnprojekten für psychisch Kranke im Wedding schon bekannt.

Von Massenbach betont, dass in dem neuen Projekt keine Sexualtäter, Mörder oder Totschläger aufgenommen würden. In den meisten Fällen hätten die Verurteilten ihre Straftaten als Folge ihrer psychischen Krankheit begangen. Die Gefahr einer Wiederholung bestehe nicht mehr, wenn sie ins betreute Wohnen ziehen.

„Die Patienten wurden alle schon fünf bis zehn Jahre im Maßregelvollzug therapiert“, erklärt Psychiatriebeauftragter Beuscher. Das betreute Wohnen sei eine wichtige Zwischenstation. Nach zehn Jahren hinter geschlossenen Türen müssten die Patienten auf das normale Leben vorbereitet werden. Einfache Anforderungen des Alltags wie Einkaufen, Wäschewaschen oder Ämtergänge stehen auf dem Lernprogramm der Projektteilnehmer. Zugleich geht es um Entlastung für die überbelegten Krankenhäuser. Seit Jahren steigt die Zahl der Täter im Maßregelvollzug.

Informationsveranstaltung für Nachbarn, am Freitag, den 2. März, um 15 Uhr in der Wiesenstraße 16, Wedding

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