Berlin : Heimat Bahn

NAME

Von Klaus Kurpjuweit

Kleine Tricks erleichtern das Leben – nicht nur bei politisch umstrittenen Abstimmungen wie neulich im Bundesrat. Ein Kind nimmt seinen Teddy mit, wenn es in einem fremden Bett schlafen muss, und schon fühlt es sich fast wie zu Hause. Deutschlands Fußballer spielen in Korea und Japan so schlecht wie zu Hause, und schon haben sie Erfolg. Die Rheinländer haben ihr Kölsch mitgebracht, als sie zwangsweise an die Spree ziehen mussten. Was aber machen jene, die kein Bier mögen? Nun, hier hilft die Bahn.

Wer wie zwischen Mönchengladbach und Dortmund mit dem Zug fahren will, muss nur zwischen Friedrichstraße und Zoo hin und her fahren. In den Wagen hängen Netzübersichten vom Verkehrsverbund RheinRuhr, und an den Wänden kleben Plakate zur Berufsinformation bei der „Polizei in NRW“. Wer dann nicht aus dem Fenster sieht, sieht von Berlin nichts. Für zwölf Tage hat sich die Bahn die Wagen ausgeliehen – angeblich als Ersatz für die S-Bahn.

Ihr wahres Herz schlägt eben für die Zugereisten. Jetzt arbeiten die Planer, wie verlautet, bereits an Heimatgefühlen für die Bayern, falls Edmund Stoiber von München nach Berlin zieht. Ersatzzüge braucht die Bahn weiter, die nächste Sperrung kommt gewiss. Wie wär’s dann mit Hinweisen zum Flughafen-Drehkreuz aus einer Münchener S-Bahn? Das könnte sogar die Einheimischen aufmuntern, die auf ihren neuen Flughafen noch lange warten müssen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben