Berlin : Heimkehr aus Bagdad

Der Friedensaktivist Reinhold Waßmann ist wieder in Berlin

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Zum Schluss ist Reinhold Waßmann auch noch krank geworden. Fiebrig lag er im HotelBett in Bagdad, als sein Begleiter Fred Klinger hereinkam und sagte, sein Geld sei alle, und er reise nun nach Hause. In Bagdad selbst waren keine Dollars und keine Euros mehr zu bekommen, ihre Hilfe schien nicht erwünscht, und die Familie zu Hause sorgte sich. Da hat dann auch Reinhold Waßmann aufgegeben. Nach zwei Wochen im Irak sind die beiden Pazifisten, die von Berlin aus aufgebrochen waren, den Krieg zu verhindern, wieder in Deutschland. Klinger blieb in München bei der Schwester, Waßmann kam am Montag in Tegel an. Der Blick war immer noch fiebrig, der Bart zausig, als er um 9.40 Uhr das Terminal 12 verließ.

Eigentlich hatten der Ingenieur Reinhold Waßmann und der Sozialwissenschaftler Fred Klinger den Irak besucht, um als menschliche Schilde irakische Einrichtungen zu schützen. „Die Idee habe ich aber gleich in der ersten Woche wieder aufgegeben“, sagt Waßmann bei einer Pressekonferenz im Flughafencafé. Die anderen „Human Shields“, vor allem Amerikaner, hätten sich nicht deutlich genug von Saddam distanziert. Und dann wäre es auch eher langweilig geworden, die Tage in einem Container vor einem Wasser- oder E-Werk zu verbringen. Er, der vor 30 Jahren den Ersatzdienst in einer Göttinger Klinik geleistet hat, hatte sich dann vorgenommen, Verletzte zu versorgen. „Aber es war die falsche Klinik“, sagt Waßmann. Es war eine christliche, und dort ist niemand eingeliefert worden.

Andere würden vielleicht sagen, der Aufenthalt sei ein Fehlschlag gewesen. Weil sie nicht bei Human Shields mitmachten, mussten sich Waßmann und Klinger selbst finanzieren, jeder Tag kostete 25 Dollar. Weil sie keine Arbeit hatten, sind sie einfach durch die Straßen gelaufen, in denen es immer dunkler wurde von den Rauchschwaden brennender Ölgräben um die Stadt und haben versucht, die Zerstörung mit Fotos zu dokumentieren. Die Angriffe hat Waßmann in einem Hotel ohne Schutzbunker erlebt. „Sie kamen oft ohne Vorwarnung, plötzlich fielen Bomben.“ Das ganze Haus hätte vibiriert, und durch die Fensterscheiben liefen knackend lange Risse.

Waßmann meint trotzdem, dass die Reise sich gelohnt hat. Er habe gespürt, dass die Menschen in Bagdad dankbar seien für jede Geste des Mitgefühls. Er wurde zum Essen eingeladen, und auf der Straße hat man ihm auf die Schulter geklopft. Ablehnung hat er nicht gespürt, dafür aber die wachsende Entschlossenheit der Menschen, ihre Stadt zu verteidigen. „Bush“, sagt Waßmann, „treibt die Menschen Saddam Hussein in die Hände – sogar seine Gegner.“ Er selbst macht weiter. Ausruhen werde er nicht, bevor er seine Erlebnisse nicht aufgeschrieben und verbreitet hat. rcf

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