• Heimspiel für die NPD - Unerwarteter Auftritt von Horst Mahler und seinen Freunden in Köpenik

Berlin : Heimspiel für die NPD - Unerwarteter Auftritt von Horst Mahler und seinen Freunden in Köpenik

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So hatte sich Conny Heidrich diesen Abend nicht vorgestellt. Die Sprecherin des Jugendbündnisses gegen Rechts wollte eigentlich mit Gleichgesinnten im Köpenicker Rathaus über Ausländerfeindlichkeit diskutieren. Doch dann erkannte sie plötzlich, wer da alles gekommen war, um ein Wörtchen mitzureden: Der nationalradikal verwandelte frühere RAF-Kämpfer Horst Mahler, der NPD-Bundesvorsitzende Udo Voigt und, in ihrem Gefolge, dreißig stramme Deutschland-den-Deutschen-Deutsche.

Die junge Anti-Rechts-Aktivistin Heidrich fand es dann auch "abstoßend, dass die Rechtsradikalen diesen Abend zu ihrem Forum machen konnten". Es wurde ihnen aber auch leicht gemacht. Das "Köpenicker Bündnis für Demokratie und Toleranz gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus" hatte am Dienstagabend zu seiner ersten öffentlichen Veranstaltung eingeladen - und offenbar nicht damit gerechnet, dass sich auch andere als die erwarteten wackeren Mitstreiter eingeladen fühlen könnten. So hatten Mahler und Voigt keine Probleme, mit ihrem lautstarken Stoßtrupp Stimmung zu machen und Angst zu verbreiten. Zwar konnte Bernd Wagner, Leiter des "Zentrums Demokratische Kultur, Rechtsextremismus, Jugendgewalt, Neue Medien", noch wie geplant sein Referat vortragen. Von verstärkt auftretendem Ausländerhass sprach Wagner und erklärte, die Rechten würden ihre Ziele immer mehr mit Gewalt durchsetzen.

Aber dann übernahmen eben diese Rechten das Kommando im Saal. "Wir sind keine gewalttätige und ausländerfeindliche Partei", rief Voigt in den Saal, und seine Claqueure johlten dazu. Dann erklärte Horst Mahler, dass er Furcht vor einer Überfremdung habe: "Die Deutschen werden an den Rand gedrängt."

Davon konnte in Köpenick nicht die Rede sein. Mahlers Leute hatten die Veranstaltung in der Hand. Enttäuscht und wütend verließen viele den Saal, die eher "eine tiefgründige Auseinandersetzung zum Thema Rechtsextremismus" erwartet hatten, wie ein Sozialarbeiter am Ende sagte, nicht aber ein Schaulaufen der rechten Truppe. Gegen die lautstarken Nationalisten hatte es auch der stellvertretende Bürgermeister und Jugendstadtrat Ernst Welters schwer. Der PDS-Mann rief in den Saal, die in Deutschland lebenden Ausländer seien eine Bereicherung, und ein junger Mann setzte nach: "Wir Deutschen haben nun einmal eine geschichtliche Verantwortung, wer das vergisst, ist ein Rechtsextremist". Doch so sehr die Freunde des Köpenicker Bündnisses auch klatschten, sie wussten: Das eigentliche Ziel der Veranstaltung, Kraft zu sammeln für den Kampf gegen rechte Umtriebe, war verfehlt.

Zum Köpenicker Bündnis hatten sich vor wenigen Wochen Parteien, Jugendeinrichtungen, Vereine und Firmen zusammengeschlossen, um damit auf den Einzug der NPD-Bundeszentrale in die Seelenbinderstraße zu protestieren. Bürgermeister Klaus Ulbricht (SPD), der am Dienstag das Forum moderierte, fand zwar, dass "solche Diskussionen ein Schritt in die richtige Richtung" seien: "Daraus kann jeder lernen, jeder darf seine Meinung sagen", sagte er. Aber über den prompt aus den Reihen der NPD kommenden Vorschlag, künftig regelmäßig zu "solchen Rund-Tisch-Gesprächen" zusammenzukommen, will er dann doch lieber erst noch mal nachdenken.

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