Berlin : Heino reißt die Himmel auf

Statt Karambo, Karacho nun Kirche: Der Schlagersänger gastiert mit seinem neuen Programm in Wilmersdorf.

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Denkmal für Hannelore. Wer Heinos Café in der Eifel besucht, sieht erst mal diese zwei lebensgroßen Puppen. Im Laden hängen unzählige Heino-Bilder, Sonnenbrillen, es gibt Heino-Kuchen – und manchmal steht Heino auch direkt am Tisch. „Ich wohne ja gleich nebenan.“ Foto: André Görke
Denkmal für Hannelore. Wer Heinos Café in der Eifel besucht, sieht erst mal diese zwei lebensgroßen Puppen. Im Laden hängen...

Hannelore ist dran. Sie hat Telefondienst, wie immer. Heino sei noch nicht ganz wach, sagt seine Ehefrau und Managerin. „Ist gestern mal wieder später geworden.“ Beim Kirchenkonzert in der Hamburger Hauptkirche St. Petri? Nein, sagt sie, beim Feiern mit Uwe Seeler in der Hotelbar. Bis halb vier ging’s. Deswegen ist in Hamburg noch etwas ausruhen angesagt, bevor es zurückgeht ins beschauliche Bad Münstereifel, wo Hannelore und Heinz Georg Kramm zu Hause sind. Dann stehen gleich weitere Konzerttermine an. Seit 2009 läuft Heinos Kirchentour „Die Himmel rühmen“, am Sonnabend kommt er damit erstmals nach Berlin, nach Wilmersdorf, in die Auenkirche.

„Heino?“, ruft Hannelore fragend in die Weite der Hotelsuite und stellt nach einer kleine Pause fest. „Jetzt kommt er angeschlichen. Ich erzähle so lange schon mal, wie es zur Kirchentour gekommen ist.“ Vor drei Jahren, kurz vorm 30. Hochzeitstag, hat Hannelore, geborene Auersperg, Ex-Schlagersängerin, Ex-Schauspielerin und Ex-Schickeriadame nämlich zu ihrem Heino gesagt: „Du brauchst mir nix zu kaufen, schenk mir lieber ein Kirchenkonzert.“ Zustimmendes Gemurmel am anderen Ende der Leitung. „Willst du nicht gleich weitermachen?“, fragt Heino seine Frau. Hannelore will nicht.

Jetzt ist Heino dran: 73 Jahre alt, mehr als 50 Jahre im Schlagergeschäft, mehr als 50 Millionen verkaufte Schallplatten, ausgesprochen jovialer Ton. Wie er angesprochen werden will? „Heino – geht ja nicht anders“, teilt er mit und verrät das Rezept der Heino-Haselnuss-Torte, die in seinem Heino-Rathauscafé in Bad Münstereifel der Renner ist: Biskuitteig, Haselnusscreme. Der gelernte Konditormeister hat sie 1958 als Gesellenstück erfunden. „Da hieß sie noch Haselnusstorte, nicht Heino-Haselnusstorte.“ Ist klar, kannte ihn ja noch keiner.

Und wie ist jetzt das Konzept der Kirchentour? Das habe Hannelore ja schon schön erzählt, sagt Heino. Er habe sich den Organisten Franz Lambert dazugeholt, einen Gitarristen und einen Chor und das Konzert erstmals in Kloster Steinfeld aufgeführt. Mit welchen Liedern? Ja, das habe er sich davor auch gefragt, „denn ,Karambo, Karacho‘, den ,Blauen Enzian‘ oder die ,Schwarze Barbara‘ kannste ja nicht in der Kirche singen“. Schließlich ist es ein besinnliches Programm von Choral bis Volkslied geworden, darunter „Ave Maria“, „Lobe den Herren“, „Guten Abend, gute Nacht“ oder „Heimat, deine Sterne“. Also eher semisakral? „Ja“, sagt Heino, der familiär nicht nur musikalisch, sondern auch christlich vorbelastet ist. Sein Großvater war Organist am Kölner Dom, zwei Cousins Pfarrer, er ist katholisch. „Wenn Hannelore und ich in eine neue Stadt kommen, gehen wir zuerst in die Kirche und zünden eine Kerze an“, sagt Heino. Am hiesigen Konzertort, der Auenkirche in der Wilhelmsaue, war er deswegen aber noch nicht. Er habe ewig kein Konzert in Berlin gespielt, sagt er. Seit dem Ende von Dieter Thomas Hecks „Hitparade“ ist er deutlich weniger in der Stadt. „Die Kirche hat der Veranstalter ausgewählt.“ Trotzdem hofft er auch in Berlin darauf, junge Leute in die Kirche zu holen. Wie denn das? „Weil die oft ihre Omi begleiten und dann sprechen sie mich hinterher begeistert an und sagen: Nächstes Mal komme ich ohne Omi.“ Das mache ihn glücklich. Hannelore und er glaubten an den lieben Gott, auch wenn der schwer zu fassen sei. „Es gibt etwas, das uns leitet und über uns schwebt, wir Menschen selbst sind ja nicht der große Knaller.“

Ob er sich vorstellen kann, mal mit der ebenfalls durch Kirchen tourenden Christin Nina Hagen ein Konzert zu geben? Das sei nun nicht gerade nötig, sie füllten ja jeder für sich eine Kirche, zögert Heino. „Aber wir haben in den 90ern mal ein Lied zusammen gemacht und mögen uns sehr. Nina singt wunderbar, sie ist eine ganz Große.“

Das ist so der Grundtenor, in dem der leutselige Heino über andere spricht. Mit einer Ausnahme: Bushido. Nach dessen Auszeichnung mit einem „Bambi für Integration“ hat er seinen im November an Burda-Medien zurückgegeben. Bushido sei ein frauen- und schwulenfeindlicher Mensch, mit dem er keinen Preis teilen wolle. „Da stehe ich zu“, sagt Heino. Von Hannelore ist nichts mehr zu hören.

Auenkirche, Wilhelmsaue 118a, Wilmersdorf, Sa 21.4., 19 Uhr, 30-38 Euro

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