Berlin : Heinz Emigholz auf dem Filmfest: "Berlin wird endlich zum Moloch"

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Er startet für Berlin bei den Internationalen Filmfestspielen. Und stellt gleich drei Kurzfilme vor: Heinz Emigholz - als Professor an der Hochschule der Künste, Kameramann, Schauspieler, Autor und Produzent ein Universaltalent. Seine Leidenschaft ist der experimentelle Film. Deshalb sind die Werke des 53-Jährigen im "Forum des jungen Films" zu sehen.

Junger Film, das führt in die Irre: Emigholz will kein Ewig-Junger sein. Mit seinen Arbeiten aber geht er neue Wege, "als Grenzgänger zwischen Kunst und Film, indem er Graphik, Film, Kunst und Architektur vereint", meint Christoph Terhechte, Mitglied des Auswahl-Kommitees. In "The Basis of Make-Up" sind die Hauptdarsteller Notizbücher von Emigholz aus den Jahren 1983 bis 1996. Kurze Blicke auf handschriftliche Notizen und flüchtig hingeworfene Skizzen vermitteln ein sehr persönliches Bild. "Architektur als Autobiographie" ist das Thema der anderen beiden Filme: Mit "Maillarts Brücken" versucht Emigholz eine Charakterdarstellung des Schweizer Bauingenieurs Robert Maillart (1872-1940), der seine Zeitgenossen mit revolutionären Stahlbetonbrücken schreckte. In "Sullivans Banken" (über acht Bankgebäude im Mittleren Westen der USA) stellt Emigholz den amerikanischen Architekten Louis H. Sullivan (1856-1924) vor.

Emigholz gehört zu den alten Hasen des Berlinale-Business. 1976 lief der erste seiner Filme hier. Damals blieb der Künstler, der für einige Jahre in New York lebte, dem Spektakel fern: "West-Berlin war eine eingebildete und korrupte Gesellschaft", meint der gebürtige Bremer Nase rümpfend. Auch als er 1993 als Professor für experimentelle Filmgestaltung an die HdK ging, um das Ressort "Zeitbasierte Medien" mit aufzubauen, war Emigholz noch kein großer Fan. Seinen Beifall findet Berlin erst seit etwa zwei Jahren, "weil es sich endlich in eine normale, molochartige Großstadt verwandelt". Privat hat sich Emigholz in Lichtenberg eingerichtet, weit weg vom spießigen Westen.

Aufgeregt ist der Filmer nicht, obwohl er die Berlinale für eines der weltweit wichtigsten Festivals für unabhängige Filme hält. Er ist eher neugierig auf die "riesige Kontaktbörse". Deshalb setzt er sich "gelassen wie eine Katze an den Rand des Geschehens" und wartet ab, was passiert.

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