• Heinzelmännchen mit Farbe und Schleifmaschine Unerwartete Helfer brachten Klassenraum auf Vordermann

Berlin : Heinzelmännchen mit Farbe und Schleifmaschine Unerwartete Helfer brachten Klassenraum auf Vordermann

Anne Seith

Elvira Grzeskowiak kann es immer noch nicht glauben. „Als wären die Heinzelmännchen gekommen“, sagt die Lehrerin der Bürgermeister-Herz-Grundschule in Kreuzberg und schüttelt ungläubig den Kopf. Am vergangenen Freitagmorgen hatte sie beschlossen, ihrem künftigen Unterrichtszimmer einen neuen Anstrich zu verpassen - ganz alleine. Da stand plötzlich Turan Nihat in der Tür. Er hatte seinen neunjährigen Sohn an der Schule angemeldet und wollte sehen, wo sich dessen Klassenzimmer befindet.

„Schön, dass jetzt auch die Eltern kommen, um zu helfen“, sagte Elvira Grzeskowiak und hatte es eigentlich als Scherz gemeint. Doch Turan Nihat reagierte sofort. „Kein Problem“, sagte er, verschwand – und kehrte nach einer halben Stunde mit mehreren Eimern Farbe, einem Malermeister und zwei Gesellen zurück. „Alles Kollegen“, so Nihat, der vor 25 Jahren aus der Türkei nach Deutschland kam und bei einer Immobilienfirma arbeitet.

Seit Freitag hat die sechsköpfige Truppe – unterstützt von Lehrer Reinhard Niklaus – ganz schön gerackert. Sie verputzten die Risse im Zimmer und strichen die mit grauen Schlieren übersähten Wände blassgelb und oben strahlendweiß. Auch die Heizungen, die Fußleisten und die Tür wurden lackiert. Und nach einem kurzen Blick auf den unversiegelten Parkettfußboden, der sich schwärzlich-grau eingefärbt hatte, organisierte der Trupp noch eine Schleifmaschine. Inzwischen sieht das das Buchenholz aus, als wäre es gerade neu verlegt worden.

„Ich habe die ganze Zeit nur gestaunt, wie schnell das alles ging“, erzählt Elvira Grzeskowiak und schaut sich mit strahlenden Augen in ihrer Arbeitsstätte um. Über ihr eigenes Engagement will die 53-Jährige nicht reden. „Alle Klassenlehrer sind aktiv“, sagt sie. „Die räumen und wischen und machen.“ Doch auch Turan Nihat und seine Kollegen wehren sich gegen zu viel Lob. „Wenn man sieht, die Lehrerin setzt sich so ein, soll ich da zuschauen?“ sagt Nihat.

Ähnlich sehen es auch seine Kollegen, alle wie er Familienväter. Über die Kosten des mitgebrachten Materials wollen sie schon gar nicht reden. Eine andere Sorge plagt hingegen die ganze Truppe. „Wenn man da zu viel drüber erzählt, macht die Stadt bald gar nichts mehr“, sagt einer – und alle in der Runde nicken heftig.

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