Berlin : Heiraten 2002: Fantasievoll inszenieren

Nora Sobich

Konventionelle Hochzeitstafeln mit tülligem Weiß und romantischer Märchenkitschstimmung gehören eher nicht ins typische Repertoire der Hamburger Serviceagentur "Kuball & Kempe Lifestyle Consulting". Vor drei Jahren haben die Stilberater Peter Kempe und Thomas Kuball im Kontorviertel der Hansestadt ihr nobles Geschäft eröffnet. Und die beiden Ästheten wissen, wie man ein Hochzeitsfest inszeniert.

Die Organisation eines Hochzeitsbanketts verläuft im Prinzip wie jedes andere Fest auch. Erst einmal werden in einem Vorgespräch mit dem Brautpaar die Erwartungen geklärt. Gibt es eigene Räume und genügend eigenes Geschirr oder muss die Feier von den Serviettenringen bis zum Festmahl organisiert werden? Soll es eine große Tafel oder viele kleine versetzte Tische geben? Wird die gesamte Großfamilie eingeladen oder nur ein kleiner Kreis? Und: Welches Budget steht zur Verfügung?

"Unbedingt sollte etwas zitiert werden, das die Eigenschaften des Brautpaares unterstreicht", meint Peter Kempe. Als die Stilberater im Dezember eine Hochzeitstafel mit der Auflage "Bloß kein Weihnachtsschmuck" gestalten sollten, nahmen sie große Dattelzweige und breiteten die kostspieligen Reben zwischen den Gedecken aus. Das war ein Anklang an Nordafrika, dem Lieblingsreiseziel des Brautpaares, und gleichzeitig ein ungewöhnlicher, aber doch schlichter Tischschmuck.

Das Stilkonzept von Kuball und Kempe heißt: Weniger ist mehr. Aber die Feinmacher lieben dabei die Klarheit, nicht den kühlen Minimalismus. Statt eine Hochzeitstafel mit diversem "Tütelkram" zu übersäen, bevorzugen sie die fantasievolle Inszenierung einzelner Elemente. "Wenn wir Blumen nehmen, dann immer nur von einer Sorte." Von riesigen Blumengestecken, die auf dem Tisch thronen, halten sie wenig. Das gehe ihnen schon zu sehr in das Gegenteil einer Hochzeitsfeier, nämlich in Richtung Grabgestecke und Beerdigungsfeier. Sie mögen lieber die dezenten Akzente, etwa frische Sträuße. Oder sie pflanzen, ganz unkonventionell, hochzeitlich weiße Schneeglöckchen in ein dunkelgrünes Moosbeet mitten auf den Hochzeitstisch zwischen große, strenge Altarkerzen. Immer ein kleiner Stilbruch, so ihr Credo, erst das Zusammengesuchte bringt Atmosphäre.

"Vor allem Fröhlichkeit braucht der Tisch", betont Kempe. "Es soll ja ein glücklicher Tag sein, die Hochzeitstafel darf keinen gezwungenen Formalismus ausstrahlen. Es sollte ein bisschen lässiger, nicht so steif und gediegen zugehen."

Wie jede Feier steht und fällt aber auch die Hochzeitsfeier mit der Sitzordnung. Ehepaare sollten nicht zusammensitzen und der "ruhige Onkel" besser neben einem witzigen Gast. Sitzkarten auf Silberfüßen seien völlig out. "Spießig", nennt sie Peter Kempe und erzählt, dass er bessere Erfahrungen damit gemacht hätte, wenn die Gäste zu ihren Plätzen geführt würden. Schöner als eine Visitenkarte mit dem eigenen Namen drauf sei eine aufwendig gestaltete Menükarte, die die Gäste nach der Feier mit nach Hause nehmen können. Denn so wenig eine Hochzeit ohne Bankett eine richtige Hochzeit ist, so wenig Glanz hat sie, ohne den Charme der Erinnerung.

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