Berlin : Heiß aufs Eis

Der Winter zieht die Berliner derzeit in Scharen auf die Seen. Doch die Wasserschutzpolizei warnt: Die Schicht trägt nicht überall

Volker Eckert

Eine komplette Kita-Gruppe entdeckten Polizisten der Wasserschutzpolizei gestern auf dem Weißen See. Auf die Warnung der Beamten, das Eis sei noch zu dünn, soll eine der Erzieherinnen voller Empörung erwidert haben: „Wir haben doch Einverständniserklärungen der Eltern!“ So wie in diesem Fall waren die Wasserschutzpolizisten am Montag in der gesamten Stadt unterwegs, um die Schlittschuhläufer zu warnen.

„Wir haben heute in Berliner Seen Eisschichtendicken zwischen einem und neun Zentimetern gemessen“, sagt Olaf Wedekind von der Wasserschutzpolizei. Mindestens zehn Zentimeter seien nötig, um die Seen betreten zu können. Aber selbst das sei noch kein Freibrief. Je nach Strömung und Sonneneinstrahlung ist die Dicke des Eises in einem Gewässers oft uneinheitlich.

Wer wissen will, ob der See in der Nähe schon Schlittschuhläufer trägt, kann direkt bei der Wasserschutzpolizei anrufen. Für heute war zu erwarten, dass zumindest einige Seen an manchen Stellen die Eisdicke von zehn Zentimetern erreichen. Olaf Wedekind blieb aber gestern zunächst einmal bei seiner Warnung, lieber an Land zu bleiben. Für Mittwoch kündigen die Meteorologen dann schon wieder Tauwetter an.

Allgemein lässt sich laut Wedekind aber sagen, dass die Seen am Stadtrand und außerhalb Berlins wegen der etwas niedrigeren Temperaturen im Umland schneller zufrieren. Als Geheimtipp könnten vielleicht die kleinen Teiche gelten, die es öfter in Parks gebe. Das Wasser sollte aber nicht tiefer als einen Meter sein. Auch auf dem kleinen Teich im Engelbecken an der Grenze von Kreuzberg und Mitte haben Schlittschuhläufer beim Einbrechen nur kalte Füße zu befürchten – das Wasser ist nur ungefähr dreißig Zentimeter tief.

Im Internet finden sich die wichtigsten Verhaltensregeln auf zugefrorenen Seen. Die Wasserschutzpolizei warnt zum Beispiel besonders vor Fließgewässern. Auch unter Brücken sei das Eis in der Regel dünner. Sehr gefährlich auch, was ein Eissegler gestern auf dem Tegeler See unternahm: Er sauste mit seinem Kufengefährt direkt an der freigeräumten Fahrrinne entlang. Die Schifffahrt auf der Oder ist am Montag wegen Treibeises eingestellt worden – vorübergehend, da es wieder wärmer werden soll.

Unfälle wie der eines 7-Jährigen vom Sonntag wurden aber nicht bekannt. Der Junge war an der Glienicker Brücke in Ufernähe eingebrochen und wurde schnell von Passanten gerettet. Die Polizei in Potsdam kündigte gestern an zu prüfen, ob die Eltern des Jungen ihre Aufsichtspflicht verletzt haben könnten. Die Familie wohnt nur wenige Meter von der Unglücksstelle entfernt. Wo der Vater, dem die Retter das Kind unversehrt übergaben, sich befand, als sein Sohn einbrach, war bis gestern noch unklar.

Informationen bei der Wasserschutzpolizei unter 4664-983023. Tipps im Internet unter www.polizei.berlin.de

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