Berlin : Heiße Blickean der Brot-Theke

Neues Glück im Bäckerladen

NAME

Der Tipp, dass Singles im Supermarkt nicht nur nach Sonderangeboten Ausschau halten sollten, ist nicht neu. Stephanie Krumbholz tat es im Sommer 1992: in einer Bäckerei nahe ihres damaligen Arbeitsplatzes. Da ihr Nervosität beim Brotkauf bis dato fremd war, mischte sich in das Erstaunen über diesen Zustand rasch die Einsicht, „dass der Mann hinter der Theke daran Schuld sein muss“. Der wiederum freute sich nicht nur des Umsatzes wegen über die häufigen Besuche und nahm ihr Angebot, ihm, dem Neu-Berliner, die Stadt zu zeigen, begeistert an. Dass Stephanie anderweitig liiert war, verdrängte er ebenso hartnäckig wie er um sie buhlte.

„Im Oktober war sie von dem anderen getrennt und mit mir zusammen“, erinnert sich Jens Wilke, der zum Datenverarbeitungskaufmann umschulte und heute für eine Unternehmensberatung tätig ist. Sehr zur Freude der ehemaligen Kunststudentin, die im letzten Jahr an der Kunsthochschule Weißensee ihre Meisterschüler-Prüfung absolvierte und derzeit im Abgeordnetenhaus ausstellt. „Früher“, erzählt sie, „wollte ich nur malen und hab nicht darüber nachgedacht, wie ich davon leben kann.“ Erst durch Jens habe sie gelernt, die unternehmerische Seite ihres Schaffens zu sehen, sich um die Vermarktung ihrer Bilder zu kümmern.

„Umgekehrt profitiere ich von Stephanies Kreativität“, bekennt er. Ohne sie käme er kaum in den Genuss, ständig Ausstellungen zu sehen. Oder zu Auftritten des Schlager-Chors „Liedertafel Bianca Castafiore“, in dem die gebürtige Berlinerin ihr musisches Talent auslebt. Zum Repertoire und den Auftritten der 20-köpfigen Gruppe sagt sie: „Da das Publikum die 70er-Jahre-Schlager kennt, die wir a-capella und mit viel Humor interpretieren, ist die Stimmung bei unseren Konzerten riesig.“

Findet auch der 34-Jährige, dem das Gefühl, sich überwinden zu müssen, durchaus vertraut ist: Obwohl nicht ganz schwindelfrei, habe er vor fünf Jahren mit Stephanie das Bergwandern als Hobby entdeckt. „Inzwischen machen wir richtig anspruchsvolle Touren und haben für eine, bei der neun Gipfel in acht Stunden geschafft werden mussten, sogar das silberne Wanderabzeichen bekommen“, erzählt die ein Jahr und einen Tag Ältere feixend.

Die Gabe, unter Zeitdruck den Überblick zu behalten, kam beiden auch im Flachland zugute. Zuletzt, als sie beschlossen, die zehn gemeinsamen Jahre durch den Trauschein zu optimieren. Erst zwei Stunden vor Anmeldeschluss für die Heiratsklänge-Zeremonie im Tempodrom seien die Dokumente komplett gewesen. Blieb noch ein Tag, um Verwandte und Freunde einzuladen, Ringe zu beschaffen und ein der unkonventionellen Feier angemessenes, alltagstaugliches langes Schwarzes für die Braut zu finden. Maren Sauer

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben