Berlin : Heiter und luftig

Die Pergola gab dem Alten Palais eine südländische Note. Jetzt wird der Anbau rekonstruiert

Helmut Caspar

Seine Majestät, Kaiser Wilhelm I., pflegte von seiner kleinen Bibliothek unmittelbar auf eine Art Terrasse zu treten und die Sonne zu genießen. Auch von seinem Arbeitszimmer aus hatte der Monarch einen Zugang zu seiner geschätzten Pergola. Die 14 Meter lange, sechs Meter tiefe und acht Meter hohe Konstruktion hinter einem flachen Gitterzaun ist mit ihrem üppigen Pflanzenbewuchs auf historischen Zeichnungen, Gemälden und Fotografien gut zu sehen.

Die Stiftung Denkmalschutz Berlin hat die klassizistische Fassade des ehemaligen Palais des preußischen Königs an der Ecke Unter den Linden/Bebelplatz bereits nach historischen Befunden restaurieren und farblich fassen lassen. Doch damit sind die Arbeiten am so genannten Alten Palais noch nicht beendet, denn zum Bebelplatz hin fehlt sie noch, die Pergola. Ein großes Plakat macht neuerdings auf das Vorhaben aufmerksam und zeigt auch, wie der Anbau bis zur Zerstörung des Palais ausgesehen hat.

„Die Pergola gehörte zu dem von Karl Ferdinand Langhans zwischen 1834 und 1837 erbauten Palais, das heute von der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität genutzt wird“, sagt Helmut Engel, Geschäftsführer der Stiftung Denkmalschutz Berlin. Sie verleihe dem Bebelplatz eine südländische Note. Ein solch heiterer, ja luftiger Anbau suche in der Berliner Palastarchitektur seinesgleichen. Ohne ihn sei das Alte Palais unvollständig.

Rund 125 Jahre war die Pergola Bestandteil des Forum Fridericianum Unter den Linden, dessen Wiederherstellung sich das Land Berlin auf die Fahne geschrieben hat. Deshalb sei es der feste Wille der Stiftung, diese in den frühen sechziger Jahren beim Wiederaufbau des kriegszerstörten Palais abgerissene Konstruktion authentisch nachzubauen, sagt Engel. Dazu würden alte Baupläne und Abbildungen sowie neuerdings auch Grabungen wichtige Anhaltspunkte liefern.

Wie aus den Befunden hervorgeht, war die Pergola unterkellert. Beiderseits einer Treppe gab es Räume, in denen die Dienerschaft Weinflaschen spülte beziehungsweise Lampenöl und Lampen aufbewahrte, denn brennbare Flüssigkeiten wollte man aus Sicherheitsgründen nicht im eigentlichen Palais haben. Bei Grabungen hat der archäologische Diplom-Restaurator Till Peter Otto bereits Reste der Gewölbe, eines Eisenträgers, eines Ofens und wohl auch von einer Treppe gefunden. „Wir sind jetzt in der Lage, die Dimensionen der Kellerräume exakt zu bestimmen und auch einiges über die Materialien zu sagen, aus denen der Anbau bestand“, sagt Otto, der von weiteren Ausgrabungen Aufschluss über das Innenleben des Anbaus erwartet.

Die Rekonstruktion der Pergola soll 2006 abgeschlossen werden. Einbezogen werden Lehrlinge des Berliner Bauhandwerks, ähnlich wie bei Schinkels Bauakademie, bei der von ihnen schon eine Ecke und neuerdings auch ein Gewölbe gebaut wurde. Helmut Engel will sie damit mit den diffizilen Aufgaben der Denkmalpflege vertraut machen.

Dass im Palais Kaiser Wilhelms I. im 19. Jahrhundert Geschichte gemacht wurde, ist kaum noch bekannt. Tatsächlich war das einst prächtig ausgestattete Eckgebäude zeitweilig das Herz von Preußen und – ab 1871 – des neuen deutschen Kaiserreichs. Engel wünscht sich, dass die Humboldt-Universität wenigstens ihre Jura-Studenten daran erinnert, indem sie etwa in einem der Räume hinter der Pergola die deutsche Reichsverfassung von 1871 und andere Hinterlassenschaften ausstellt. Sie könnten auch an eine alte Gewohnheit des Monarchen erinnern: Kaiser Wilhelm pflegte von seinem Eckfenster seine Untertanen zu grüßen.

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