Heizkosten : Warmmieten schnellen hoch wegen unsanierter Häuser

Der Heizspiegel des Senats zeigt: Seit 1999 gab es Preissteigerungen von bis zu 80 Prozent für Heizöl, Gas und Fernwärme. Die Gasag will den Tarif bis Ende des Winters stabil halten – gegen den Trend.

Ralf Schönball
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Der Winter kommt und mit ihm die Heizperiode. Für viele Berliner ist das eine teure Angelegenheit: Für Heizöl, Gas und Fernwärme müssen sie heute 50 bis 80 Prozent mehr bezahlen als vor zehn Jahren. Die gute Nachricht: Die Wirtschaftskrise bremste den Trend. Viermal senkte die Gasag die Preise, zuletzt in diesem Monat. Inzwischen ist der Ölpreis wieder auf einem Jahreshoch; deswegen wachsen Besorgnisse, auch der Gaspreis könnte wieder steigen. Viele Energie-Unternehmen, sagen Experten vom Verbraucherportal Verivox, werden mit dem Jahreswechsel die Preise erhöhen – im Jahr 2010 um fünf bis zehn Prozent. Ein Gasag-Sprecher sagte dagegen: „In diesem Jahr werden wir die Preise nicht erhöhen und hoffen, sie bis zum Ende der Heizperiode im April stabil zu halten.“

Der Heizspiegel zeigt aber, dass der langfristige Aufwärtstrend der Wärmepreise die Mieter sehr unterschiedlich hart trifft. Denn ein Teil der Wohnhäuser sind unsanierte „Energieschleudern“. Dies sagte Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linke) gestern bei der Vorstellung des aktualisierten „Heizspiegels“ für die Stadt. Der Heizspiegel ermöglicht es, den eigenen Heizungsbedarf, den Energieverbrauch der Wohnung und die Kosten zu vergleichen. Bis Dezember finanziert der Senat außerdem die Auswertung und Überprüfung der Jahresrechnungen privater Haushalte durch die Berater der „Kombinierten Energiespar- und Beschäftigungsprojekte aus Berlin“ (kebab).

Der Heizspiegel könnte auch den Wettbewerb um die beste energetische Sanierung unter Vermietern anheizen. Denn ähnlich wie bei Kühlschränken oder Waschmaschinen werden Wohnungen und Häuser in sieben Klassen eingeordnet: Vom Passivhaus der Klasse „A“ bis zur Energieschleuder, Klasse „G“. Doch die Immobilieneigentümer verweigern sich bisher der Initiative des Senats. Warum die zuständigen Senatorinnen Lompscher und Ingeborg Junge-Reyer (Stadtentwicklung) nicht einmal die landeseigenen Firmen zur Mitarbeit bewegten, erklärte die Umweltsenatorin so: „Wir wollten ein von der Wohnungswirtschaft losgelöstes Instrument schaffen.“ Auf Nachfrage sagte sie aber auch, dass man auf „Kooperationsverträge“ mit den landeseigenen Gesellschaften hinwirken werde.

„Darüber könnte man reden, wenn es ein besseres Gesprächsklima gäbe“, sagte Maren Kern, Vorstandsmitglied beim Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU). Im BBU sind 40 Prozent aller Wohnungsfirmen organisiert. Viele liegen im Clinch mit der Umweltsenatorin, weil sie die eigenen Interessen beim von ihr geplanten Klimaschutzgesetz nicht berücksichtigt sehen.

BBU-Vorstand Kern kommentiert die aktuellen, ohne die Hilfe der Vermieter nicht repräsentativen Zahlen dennoch wohlwollend: Sie zeigten, dass „die Modernisierung des Berliner Wohnungsbestandes seit 1993 große Fortschritte gemacht hat“. Während 1993 nur gut zwei Prozent der Berliner Wohnhäuser zu den Energiesparklassen A bis C gehörten, waren es dem Senat zufolge vor zwei Jahren bereits über 63 Prozent.

An der Einordnung der Immobilien in ihre Energieklassen kann der Mieter genau ablesen, wie teuer ihn ein kalter Winter zu stehen kommt: Eine 60 Quadratmeter große Wohnung der „Energieschleuder“-Kategorie G kostet 1045 Euro Wärmeenergie im Jahr – ein gleich großes „Niedrigenergiehaus“ der Kategorie „B“ weniger als ein Viertel: 241 Euro.

„Der Heizspiegel ist ein gutes Mittel, um zu hohe Heizkosten aufzudecken“, sagte Reiner Wild, Geschäftsführer des Berliner Mietervereins. Zwar seien Immobilieneigentümer ohnehin verpflichtet, einen Energieausweis für ihre Immobilie zu führen. In der Praxis bekämen Mieter diesen aber so gut wie nie zu sehen. Laut Mieterverein liegt ohnehin vieles im Argen: „Wir prüfen 11 000 Heizkostenrechnungen jährlich, und bei einem Drittel davon besteht mietrechtlicher Handlungsbedarf“, sagt Wild.

Dabei sind darin Baumängel oder veraltete Heizungsanlagen, die unnötige Kosten verursachen, gar nicht mitgezählt. Denn hier können Mieter nichts tun – nicht einmal, wenn der Vermieter gegen das Energieeinspargesetz verstößt und einen veralteten Kessel nicht austauscht.

Infos und Bewertungen online: www.heizspiegel-berlin.de

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