Helge Schneider im Interview : „Berlin ist nicht knorke“

10.08.2012 09:58 Uhrvon
Helge Schneider hatte im Frühjahr seine Auftritte aufgrund einer Virus-Infektion absagen müssen und sich daraufhin aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Foto: Thilo Rückeis
Helge Schneider hatte im Frühjahr seine Auftritte aufgrund einer Virus-Infektion absagen müssen und sich daraufhin aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. - Foto: Thilo Rückeis

Helge Schneider hat im Frühjahr viele Shows abgesagt, er war krank. Und wie geht’s ihm heute? Im Tagesspiegel-Interview spricht er über Arztbesuche, das Karriereende, kulturelle Ghettos und den neuen Flughafen.

Herr Schneider, im März mussten Sie Berlin krankheitsbedingt früher als geplant verlassen. Geht’s jetzt wieder besser?

Ich bin wieder gesund. Und passe jetzt auch auf. Mit der Ernährung: nur ab und zu einen Erdbeersekt.

Wie ernst war es damals?
Kurz bevor ich auftreten wollte, hatte ich 40 Grad Fieber, mir war schlecht. Ich war ja schon umgezogen, bin aber wieder ins Hotel – und dann kam auch schon der Notarzt.

Sie kommen oft und gerne nach Berlin. War es deshalb besonders bitter, nicht weiterspielen zu können?
Das hat mich damals natürlich sehr geschmerzt, weil es für mich ja auch das letzte Mal Admiralspalast war.

Aber ich konnte einfach nicht weiterspielen, weil ich auch nicht wusste, was mit mir los war. Es hätte ja auch das Herz sein können. Ich habe da schon Horrorgeschichten gehört. Da sagt der Mann zur Frau, mir geht es nicht gut. Und sie sagt, geh’ doch mal zu Arzt. Dann sagt der Mann, nee lass mal, geht ins Bett und ist drei Stunden später tot. Das sind so Sachen, die passieren in diesem Alter, ich werde ja auch schon 57.

Helge Schneiders "Fressekonperenz" aus dem Jahr 2010

Helge Schneiders "Fressekonperenz"

Sind Sie anfälliger als früher?
Das glaube ich nicht. Aber, schauen Sie, ich spiele ja vor weniger Leuten. Dafür aber umso öfter. Und muss deshalb viel mehr arbeiten als Peter Maffay, der einfach gleich ein ganzes Stadion voll macht. Wenn du dann aber so viele Auftritte hast wie ich, dann kommst du ja auch durch alle möglichen Gegenden. Durch die Kreidezeit, die Steinzeit, die Kohlezeit. Und da kann das schon mal sein, dass du dir was einfängst.

Malaria-Gebiet Nordrhein-Westfalen?
Ja. Richtig.

Schon im vergangenen Sommer mussten Sie ihre Tournee wegen Erschöpfung abbrechen. Sie sind seit ungefähr 20 Jahren auf Tour. Wann ist man zu alt für groben Unfug?
Ich glaube, nie. Überhaupt nicht. Ich habe jetzt wieder Helmut Schmidt im Fernsehen gesehen, der ist da ja komischerweise noch immer. Und den Leuten noch bekannter heute als früher, als er Kanzler war. Da saß er da wieder. Als Raucher. Das ist ja schon grober Unfug. Und jetzt hat er aus seinem Haus gleich noch ein Altersheim gemacht. Der Mann ist 92 und das ist der Beweis dafür, dass man nie zu alt ist für Quatsch.

Kann immer lustig sein krank machen?
Ich denke schon. Aber ich muss ja nicht immer lustig sein. Ich kann ja auch Musik machen. Komischerweise lachen die Leute dann trotzdem immer.

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