Berlin : Hello Lenin!

Grútas, km 3970: Kommunistenführer leben länger

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Undurchdringlich sind die Wälder im Süden Litauens. Die richtige Gegend, um mit Pilzen Millionär zu werden – wie Viliumas Malinauskas. Und ein passender Platz, um all die Lenins, Stalins und Werweiß-wers zu entsorgen, die die Sowjetunion in Litauen hinterlassen hat.

Für mehr als eine Million Euro hat der Pilzmogul Malinauskas den Grútas-Park angelegt, in dem man gegen 1,40 Euro Eintritt 75 Büsten, Monumente und Reliefs der ausrangierten Helden abschreiten kann. Sie stehen links und rechts des Weges auf Waldlichtungen: Jungkommunisten, Arbeiterfrauen, Oktoberrevolutionäre – große Lenins aus den Städten und kleine aus den Dörfern. Die gebotene Ernsthaftigkeit sichern Zäune und Wachtürme, die an sibirische Zwangslager erinnern sollen, zum Vogelgezwitscher perlt Arbeiter- und Bauernmusik aus den Baumkronen.

Der Chef will seinen Park als Mahnung verstanden wissen, nicht als Disneyland. Doch das funktioniert nur bedingt: Längst posieren Brautpaare zu Stalins Füßen, und nach der Eröffnung vor drei Jahren protestierten sowohl Parlamentarier als auch Opfer des Sowjetregimes. Vielleicht hat die Eröffnungsparty die Missverständnisse befördert, weil da Jungpioniere aufmarschierten und ein grinsender Lenin-Darsteller nicht von Malinauskas’ Seite wich. Die Fotos hängen am Eingang, gegenüber einem Viehwaggon für die Transporte nach Sibirien. Die meisten Gäste reagierten positiv, sagt die Frau im Kassenhäuschen. Neben ihr zimmert ein Arbeiter den nächsten Wachturm. Der Park ist noch nicht komplett.

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