Hells Angels kontra Rot-Schwarz : Rocker wollen sich gegen Verbotspläne wehren

Innensenator Frank Henkel droht Rockergruppen mit einem Verbot. Die Hells Angels wollen dagegen vorgehen - juristisch.

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Immer wieder sind Ermittler in den vergangenen Monaten mit Razzien gegen die Rockerszene vorgegangen. Erst im August 2012 hatte die Berliner Polizei mehrere Quartiere der Bandidos durchsucht. Dabei wurden schwere Waffen sicher gestellt, zum Beispiel dieses Sturmgewehr.Weitere Bilder anzeigen
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16.06.2012 17:41Immer wieder sind Ermittler in den vergangenen Monaten mit Razzien gegen die Rockerszene vorgegangen. Erst im August 2012 hatte...

Der Koalitionsvertrag ist eindeutig: SPD und CDU wollen das Verbot von Rockerbruderschaften prüfen. Ein Sprecher von Innensenator Frank Henkel (CDU) bestätigte jetzt das Vorhaben. Unter Rockern nimmt man die Ankündigung zwar ernst, schließlich sind erst diesen September in Frankfurt am Main zwei Charter – also lokale Ableger – der Hells Angels verboten worden. Und 2010 hatte das Innenministerium in Schleswig-Holstein die Auflösung der Höllenengel-Dependance in Flensburg verfügt, nachdem es blutige Auseinandersetzungen mit den zeitgleich verbotenen Bandidos im nahen Neumünster gegeben hatte. Dennoch gibt man sich bei den Hells Angels gelassen. „Das ist lächerlich, Verbote sind in der Politik zu einer Sucht geworden“, sagte der Mitbegründer der deutschen Hells Angels, Rudolf „Django“ Triller, dem Tagesspiegel.

Triller fungiert als Sprecher der einflussreichsten Rockerbruderschaft des Landes, der in Berlin drei Charter angehören. „Im Fall weiterer Verbote ziehen wir bis vor den Europäischen Gerichtshof“, kündigte er an. Der in der bundesweiten Rockerhierarchie als ranghoch eingestufte Bremer erinnerte daran, dass es zur Zeit des ersten Verbots einer Dependance der Hells Angels in Hamburg 1983 gerade zwei Charter in Deutschland gegeben habe: Heute seien es mehr als 50.

Da für Rockergruppen das Vereinsrecht gilt, ist ein Verbot – anders als bei Parteien – schneller durchsetzbar. Erfolgreiche Klagen gegen solche Verfügungen der jeweiligen Landesinnenminister gelten unter Juristen als schwierig. In Berlin kommt hinzu, dass sich konkurrierende Rocker zuletzt wieder heftig bekämpften. Offiziell hatten Hells Angels und Bandidos 2010 bundesweit Frieden geschlossen. Doch erst im Oktober hatten mutmaßliche Unterstützer der Hells Angels versucht, ein Vereinsheim der Bandidos anzuzünden. Wenige Tage zuvor war auf ein Tattoostudio der Bandidos geschossen worden. Vor drei Jahren eskalierte der Kampf zwischen den Bruderschaften in der Region schon einmal. Die Brandenburger Chicanos, den Bandidos nahestehend, wurden damals verboten.

Rocker sind oft im Nachtleben tätig, etwa als Türsteher. So bestimmen sie, welche Geschäfte in Clubs und Bars stattfinden. Die Polizei spricht von Schutzgeld, Anabolika- und Waffendeals. Knapp 800 Männer in 17 Rockerclubs sind der Polizei in Berlin bekannt, der harte Kern ist deutlich kleiner. Die Hells Angels, deren Treffpunkte sich in Spandau, Reinickendorf, Hohenschönhausen und Köpenick befinden, werden von den Red Devils aus Moabit unterstützt. Die Bandidos haben Räume in Neukölln, Weißensee und Reinickendorf.

Die einst größte deutsche Rockerbruderschaft, Gremium MC, hatte 2010 viele Berliner Mitglieder an die Hells Angels verloren. Die Mongols, eine Rockertruppe von Berliner Arabern, hatten sich schon nach wenigen Wochen in diesem Februar aufgelöst. Weil bei ihnen zuvor Rohrbomben gefunden worden sind, mit denen wohl Hells Angels angegriffen werden sollten, dürften sie so einem Verbot zuvorgekommen sein.

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