Berlin : Hells Angels nach Überfall auf einen Bandido vor Gericht

Zwei Dutzend tätowierte Hünen in Lederjacken saßen dicht gedrängt und scharf bewacht auf den Zuhörerbänken. Die Polizei war in einem Großaufgebot angerückt, als gestern der Prozess gegen fünf Anhänger der „Hells Angels“ begann. Die Männer sollen im Mai 2007 in Höhenschönhausen ein Mitglied des verfeindeten Rockerclubs „Bandidos“ angegriffen haben.

Beide Motorradclubs haben ihre Rivalitäten in der Vergangenheit immer wieder mit Schlägereien oder Schießereien auf der Straße ausgetragen. Die Polizei stößt in der Regel auf eine Mauer des Schweigens. So war es auch nach der Prügelei in Hohenschönhausen. Im Verfahren setzte sich das fort. Der attackierte „Bandido“ teilte bereits vor dem Prozess mit, dass er nicht aussagen werde. Auch gegen ihn war ermittelt worden. Er soll beim Überfall ein Messer gezogen haben. Auf sein Erscheinen als Zeuge verzichteten die Richter. Schweigend reagierten auch die angeklagten „Höllenengel“ der Untergruppe „Nomads“ auf die Anklage.

Den Ermittlungen zufolge umkreisten zunächst zwei der „Hells Angels“ den „Bandido“. Der Angeklagte Rayk F. (39) habe dabei einen schlagstockartigen Gegenstand bei sich geführt, hieß es in der Anklage. Der „Bandido“ soll ein Messer gezogen haben. Als die Polizei eintraf, hätten sie die Waffen verschwinden lassen. Mit Tritten und Schlägen sei der Kontrahent attackiert worden. „Du bist tot“, sollen die „Hells Angels“ gebrüllt und die Polizisten ignoriert haben. Ein Beamter gab schließlich einen Warnschuss ab. Zudem wurde Pfefferspray eingesetzt, um die Prügelei zu beenden.

Ein Passant hatte den Großeinsatz vor einer McDonald's-Filiale gefilmt. Immer wieder zählte er die Polizeifahrzeuge. 19 waren es nach Rechnung des Hobby-Filmers. Sechs Personen wurden vorläufig festgenommen. Bezüglich des mutmaßlichen Überfalls sieht die Beweislage schwierig aus. Doch neben Körperverletzung geht es auch um Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. K. G.

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