Hells Angels : Razzia gegen Rocker

Die berüchtigte Rockergruppe "Hells Angels" eröffnet einen neuen Treff in Charlottenburg - just in der Kneipe, in der sich der Schüler Lukas W. zu Tode getrunken hatte. Die Polizei begleitet die Feier mit Festnahmen und Durchsuchungen.

André Görke,Jörn Hasselmann
Hells Angels
Razzia bei den Hells Angels. -Foto: Bulls Eye

„Stärke zeigen“ – unter diesem Motto begleitete die Polizei am Samstagabend die Eröffnungsparty eines neuen Klubhauses der berüchtigsten Rockergruppe der Stadt – den Hells Angels. Immer wieder werden einzelne Mitglieder beim Betreten des Hauses am Spandauer Damm kontrolliert, Personalien festgestellt, Autos durchsucht. Das gleiche Bild am Hauptquartier der Hells Angels in der Greifswalder Straße. Insgesamt waren knapp 100 Beamte im Einsatz. Denn Stunden zuvor waren in Cottbus mehrere Schüsse gefallen: Hells Angels hatten ein Mitglied der verfeindeten „Bandidos“ lebensgefährlich verletzt – mitten in der Stadt, auf einem Platz vor der Oberkirche. Die Polizei nahm elf Hell’s Angels und zwei Bandidos fest. Der Einsatz in Berlin sollte Racheakte verhindern.

Bei den Ermittlern wurde die jüngste Gewalteskalation mit Besorgnis registriert. Denn in den letzten Monaten hatte es zwischen den Gruppen, die in Brandenburg um die Vormachtstellung kämpfen, exzessive Gewalttaten gegeben. Beide Banden verdienen viel Geld mit dem Handel von Rauschgift, Waffen und Frauen und werden von der Kripo der Organisierten Kriminalität zugerechnet. Dem Vernehmen nach werden derzeit in Berlin und Brandenburg die Karten neu gemischt. Einerseits wollen die hauptstädtischen Rocker dem Verfolgungsdruck der Berliner Polizei entgehen, indem sie ins Umland ausweichen, andererseits wird dies als Zeichen von Schwäche in der Szene interpretiert. Die Eröffnung eines neuen Klubhauses direkt am Schloss Charlottenburg wird deshalb auch als Signal gewertet: „Wir bleiben hier.“

Und das wird laut gefeiert. Der neue Treffpunkt am Spandauer Damm trägt den Namen „Angelplace“. In der Kneipe, die zuvor „Eye T“ hieß, starb im Februar 2007 der 16-jährige Lukas W., nachdem er knapp 50 Tequila getrunken hatte.

Am Samstagabend hing ein großes Plakat am Balkon: „Hells Angels welcome you“. Doch eingelassen werden in dieser Nacht „nur geladene Gäste“. Auf dem Nachbarparkplatz stehen Zivilautos der Polizei. Am nächsten Morgen ist das Plakat verschwunden, die Polizeiautos auch. „Alles war ruhig“, sagt ein Mann, der die Tür der Bar öffnet. „Aber die Polizei hat ihr Filmteam ausrücken und unsere Gäste aufgenommen.“ 150 Personen waren geladen, die Party sei fröhlich gewesen. Dass die Hells Angels ausgerechnet in der Kneipe Quartier bezogen haben, „in der sich dieser Junge leider totgesoffen hat“, sei „purer Zufall“, heißt es dort. Jeder dürfe kommen, „manchmal haben wir jedoch geschlossene Veranstaltungen“.

Anwohner im Kiez vermuten, dass die Hells Angels hier auch aus strategischen Gründen eingezogen sind: Die Gaststätte im ersten Stock ist von der Straße aus nicht einsehbar, oben aber mit einer Balustrade versehen, von der aus alle Zufahrtstraßen und der Klausenerplatz bestens zu überblicken sind. Feindliche Rockergangs oder die Polizei können hier nicht überraschend kommen und gelangen nur über eine schmale Treppe nach oben. Die Hells Angels haben sich am Charlottenburger Schloss eine Rockerfestung errichtet. Und der Dönerladen „Grillhaus am Schloß“ ist auch gleich ausgezogen.

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