• Helmholtz-Zentrum: SPD und Linke wollen Ausweitung der Flugverbotszone über Wannsee-Reaktor

Helmholtz-Zentrum : SPD und Linke wollen Ausweitung der Flugverbotszone über Wannsee-Reaktor

Die Flugverbotszone über dem Forschungsreaktor im Helmholtz-Zentrum soll ausgeweitet werden. Frühestens Mitte August wird der Reaktor wieder in Betrieb genommen. Bis dahin soll auch die Überprüfung abgeschlossen sein.

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Der Forschungsreaktor im Helmholtzzentrum ist derzeit wegen Wartungsarbeiten außer Betrieb.
Der Forschungsreaktor im Helmholtzzentrum ist derzeit wegen Wartungsarbeiten außer Betrieb.Foto: dapd

Bisher gilt die Flugverbotszone in einem Umkreis von 1,48 Kilometern bis zu einer Höhe von 670 Metern. Jetzt soll dieser Kreis rund um den Forschungsreaktor erweitert werden. So sieht es ein Antrag vor, der heute auf der Tagesordnung im Abgeordnetenhaus steht und in dem der Senat aufgefordert wird, sich für die Ausweitung der Zone einzusetzen. Auch soll die Überprüfung des Reaktors möglichst vor dessen Wiederinbetriebnahme abgeschlossen werden, Öffentlichkeit und Parlament seien zeitnah über die Ergebnisse zu informieren. Gefordert wird zudem die Verlegung der Wannseer Lagerstätte für leicht- und mittelradioaktive Abfälle.

Der Antrag war am Montag vom Umweltausschuss bei Enthaltung der CDU beschlossen worden. Heute wird darüber abgestimmt, mittlerweile hat er aber Irritationen ausgelöst. SPD und Linkspartei hatten vergessen, bei der aktualisierten Fassung des gemeinsamen Antrags auch die Überschrift zu ändern: Sie fordert eine „vollständige Sicherheitsüberprüfung“ des Reaktors „vor Entscheidung über Weiterbetrieb“. Im Abgeordnetenhaus werde am Donnerstag über die aktuelle Fassung unter der Schlagzeile „Zeitnahe und vollständige Sonderüberprüfung des Berliner Forschungsreaktors vor der Wiederaufnahme des Betriebes“ entschieden, sagte der umweltpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Daniel Buchholz. Der Antrag selbst enthält die Einschränkung, dass einzelne technische Überprüfungen eventuell nur bei laufendem Betrieb möglich sind.

Die Grünen-Fraktion hatte zuvor unter Hinweis auf die alte Überschrift erklärt, die rot-rote Koalition habe ihre Forderung aufgegriffen, den Weiterbetrieb des Reaktors vom Ergebnis der Prüfung abhängig zu machen, an der auch atomkritische Wissenschaftler beteiligt werden sollten.

Der Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz, Sebastian Pflugbeil, hatte bei der Veranstaltung einer Bürgerinitiative in Potsdam erklärt, er habe sich vergeblich um Daten über Krankheitshäufungen im Umfeld des Reaktors bemüht. Der gesundheits- und wissenschaftspolitische Sprecher der Linkspartei, Wolfgang Albers, warf den Grünen vor, Ängste zu schüren und „die Reputation einer der bedeutendsten Wissenschaftseinrichtungen der Stadt“ zu gefährden.

Bei einem entsprechenden Beschluss werde man als Aufsichtsbehörde an den Betreiber des Reaktors herantreten, sagte die Sprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz, Marie-Luise Dittmar. Ihn zwingen, mit der Wiederinbetriebnahme zu warten, könne man allerdings nicht. Voraussichtlich bis Mitte August ist der Reaktor wegen Wartungsarbeiten ohnehin abgeschaltet.

Die Sicherheitsüberprüfung aller deutschen Reaktoren war von der Bundesregierung nach der Atomkatastrophe in Japan eingeleitet worden. Bis Monatsende muss man den Fragenkatalog der Reaktor-Sicherheitskommission beantworten und Unterlagen zur Verfügung stellen, sagte Ina Helms von der Helmholtz-Gesellschaft. Danach erfolge eine Beurteilung durch die Aufsichtsbehörde und den TÜV Rheinland. Sollte sie bis Mitte August nicht abgeschlossen sein, werde man zwischen den politischen Implikationen und den Bedürfnissen der Forscher abwägen.

Im Zuge der Wartung wird derzeit das konische Strahlrohr ausgewechselt, mit dem die Neutronen aus dem Reaktor zu den Forschungsplätzen geleitet werden. Dazu wurde der Kühlwasserpegel im Reaktorbecken von neun auf drei Meter gesenkt. Spezialisten auf einer Arbeitsplattform tauschen das Rohr unterhalb der Wasseroberfläche mittels Stangen aus, erklärte Ina Helms. Strahlenschutzkleidung müssen sie dabei nicht tragen.

Dass sowohl das alte wie auch das neue Rohr ein Sicherheitsrisiko darstelle, wie es ein gekündigter Mitarbeiter in einem TV-Magazin behauptete, wurde vom Helmholtz-Zentrum als „böswillige Behauptung“ zurückgewiesen. Bestätigt wurde dagegen, dass eine Manschette an einem Rohr undicht ist, mit dem Kühlwasser von einer Hälfte des Reaktorbeckens in die andere gepumpt werden kann. Dies führt dazu, dass bei einer Trennung der Becken der Pegel in der Hälfte mit dem niedrigeren Wasserstand pro Tag um einen Zentimeter steigt. Laut Betreiber hat dies nach einem Gutachten „keinerlei Sicherheitsrelevanz“. Auch dazu fordert der Antrag von SPD und Linken eine Stellungnahme des Senats.

Der Berliner Forschungsreaktor habe nur ein Vierhundertstel der Leistung des Kernkraftwerks in Fukushima und befinde sich auch hinsichtlich der Gefährdung in einer „anderen Dimension“, sagte Daniel Buchholz.

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