Berlin : Helmholtzplatz: Bevor die Kinderparty steigt, kommen die Polizisten

Barbara Junge

Wölfi bückt sich nach einer eingedellten Bierdose. Die Wollmütze fällt ihm dabei nicht vom Kopf. Die Tattoos an den Oberarmen dehnen sich. Heute bei der Hitze muss er seine Büchsen selbst einsammeln. Wolfgang Schnee steht neben ihm an der Südseite des Helmholtzplatzes und passt auf, dass auch alles im schwarzen Müllsack landet. Und dass Wölfi mit seinem Freund Robbie danach seiner Wege zieht. Wie die anderen acht Trinkfreunde, die gerade vom Kontaktbereichsbeamten Wolfgang Schnee des Platzes verwiesen wurden.

Man geht freundlich miteinander um. Wölfi meckert ein bisschen, Wolfgang Schnee stichelt zurück. Man kennt sich. Die Polizei ist nicht das erste Mal im Einsatz zwischen Lychener- und Dunckerstraße in Prenzlauer Berg. Zur Zeit kommt sie noch häufiger als sonst. Auf Anweisung von oben. Die Polizei hat die Kontrollen verstärkt.

Am 13. Juli soll eine Fete steigen. Mit Spielpavillon und Plantschbecken. Mit Konzert und Open-air-Kino. Dann wird der Helmholtzplatz ganz der öffentlichen Nutzung überlassen. Zu diesem Anlass wünscht sich der Bezirk, allen voran Stadträtin Ines Saager, die Lösung eines lange schwelenden Konflikts: um die Nutzung des Platzes. Die richtige Mischung muss es sein, betont Ines Saager. Die Alkoholiker sollen vertrieben werden, sagt eine Kiezinitiative.

Die Anordnung, den Platz jetzt häufiger zu kontrollieren und die Alkoholiker konsequenter des Platzes zu verweisen, stammt von Günter Ellermann. Ellermann ist Dienstgruppenleiter im Polizeiabschnitt 76. "Ich möchte schon eine schöne Eröffnung haben", sagt Ellermann. Und da der Eröffnungstermin näher rücke, sehe sich die Polizei den Platz genauer an. "Ich habe eine stärkere Präsenz angeordnet", erzählt er. Auch fordere man häufiger zusätzliche Beamte aus einer Einsatzhundertschaft an. "Mit meinen Leuten allein schaffe ich das nicht".

Auch das "Platzhaus" hat eine Strategie entwickelt, um das Ärgernis vieler Anwohner zu vertreiben. Seit einem Jahr ist das ehemalige Toilettenhäuschen an der Südseite des Platzes wieder in Benutzung. Nach dem Umbau dient es als Treffpunkt. Doch vor wenigen Tagen hat es dichtgemacht. In Absprache mit der Stadträtin. "Früher saßen die Trinker oben auf dem Platz", erzählt Eva Hübner, die im Platzhaus arbeitet. "Seitdem gebaut wird, haben sie sich hier unten am Rand des Platzes vor unserem Haus versammelt". Das wollen Eva Hübner und ihre Kollegen nicht akzeptieren. "Wir haben vorübergehend dichtgemacht, damit hier bis zum Fest Ruhe einkehrt.

Dabei betont Hübner, das Nebeneinander von Kindern, Trinkern und sonstigen Erholungssuchenden sei eigentlich kein Problem. "Die Massierung ist das Problem. Und der Szene-Tourismus". Solange sich die etwa 10 im Kiez wohnenden Trinker an die Regeln hielten, wolle man sie auch nicht vertreiben. Das sagt auch Polizist Ellermann. "Wir haben nicht vor, jemanden hier zu kriminalisieren. Die Leute sollen sich nur an die Regeln halten. Und da geht es nicht, seinen Müll einfach liegen zu lassen, zu grölen, die Hunde frei laufen zu lassen. Da spielen doch auch viele kleine Kinder".

Lange Zeit war der Helmholtzplatz ungepflegt - und so empfanden viele der Anwohner auch das tagtägliche Publikum. Ex-Innensenator Eckart Werthebach (CDU) deklarierte den Platz zu einem der "gefährlichen Orte", weil sich eine Drogenszene dort angesiedelt hatte. Im Rahmen des Quartiersmanagement schließlich entwickelte der Sanierungsträger S.T.E.R.N. ein Konzept für den Platz. Den einzigen in der Gegend weit und breit. Nur der östliche Teil des Platzes wartet mit Wiesen und Spazierwegen hinter einem Bauzaun noch auf seine Inbetriebnahme am 13. Juli. Ein großer Spielplatz ist schon von den Kindern in Beschlag genommen, auf der Sportfläche fliegen Bälle.

Unten, bei den Büschen vor dem Sportplatz, steht eine Holzbank. Basti, der nicht wie ein Trinker aussieht, kommt gerade mit dem Fahrrad angefahren, legt das Rad ab, geht in die Kneipe schräg über der Straße. Er holt ein Malzbier für sich und zwei Berliner für Wölfi und Robbie. Die beiden sind nur eben eine Platzecke weitergezogen.

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