Berlin : Henkel am Hindukusch

Auch Polizisten verteidigen die deutsche Sicherheit in Afghanistan, findet der Innensenator.

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Schusssicher. Gut geschützt besuchte Innensenator Frank Henkel ein Ausbildungscamp der Polizei in Masar-e Sharif. Foto: ISAF
Schusssicher. Gut geschützt besuchte Innensenator Frank Henkel ein Ausbildungscamp der Polizei in Masar-e Sharif. Foto: ISAF

Schwarze Schirmmütze, Sonnenbrille und eine schusssichere Weste mit Flecktarnmuster: In voller Montur besuchte Innensenator Frank Henkel (CDU) am Sonntag überraschend das deutsche Isaf-Einsatzkontingent am Standort Masar-e Sharif im Norden Afghanistans. Aus Sicherheitsgründen war die Reise des Senators nicht angekündigt worden. Am Montagabend meldete er sich per Handy. „Alles nicht so einfach hier“, sagte er. Die Stimmung sei „beklemmend“. Die Schussweste, 20 Kilogramm schwer, erinnere ständig daran in welcher Gefahr man sich befinde.

Diese Erfahrung machen auch die Berliner Polizisten vor Ort. Insgesamt elf Beamte sind derzeit Teil der EU-Polizeimission (Eupol), die seit 2007 besteht. Sinn des Besuchs sei gewesen, sich zu informieren, wie die deutschen Beamten afghanische Polizisten und Ausbilder schulen. Während eines Zwischenstopps bei der deutschen Polizeiausbildungsstätte (GPTC) sagte Innensenator Henkel: „Diese Akademie schafft Sicherheit für die Bürger hier in Afghanistan und somit auch für die Menschen zu Hause in Deutschland.“ Er habe die Lebensumstände und Arbeitsbedingungen der Polizisten im Auslandseinsatz kennenlernen wollen, sagte Henkel. Zu diesem Zweck traf sich Henkel auch zu Gesprächen mit Einsatzkräften, die ihn „sehr beeindruckt“ hätten, sagte er am Telefon. „Es ist berührend, mit welcher Leidenschaft die Beamten Männer und Frauen in Afghanistan in der Polizeiarbeit ausbilden“, sagte Henkel.

Es ist der erste Afghanistanbesuch des Innensenators, der zusammen mit dem Berliner Polizeipräsidenten Klaus Kandt (52) und dem Innensenator Mecklenburg-Vorpommerns, Lorenz Caffier (CDU), am Hindukusch unterwegs ist.

Aufgabe der Eupol-Mission, an der die Berliner Beamten beteiligt sind, ist die Unterstützung ziviler Strukturen. Sie sollen helfen, eine zivil organisierte Polizei in Afghanistan zu entwickeln und „Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit zu vermitteln“, schildert ein Beamter. Das sei gar nicht so einfach, denn „die Anforderungen sind dort ganz andere als bei uns“. 30 Jahre bürgerkriegsähnliche Zustände hätten nahezu alle zivilen polizeilichen Strukturen zerstört. Die Zahl der Analphabeten in den Gebieten sei hoch. Was in Deutschland selbstverständlich sei, nämlich im Notfall die 110 zu wählen, existierte in Afghanistan zu Beginn des Einsatzes noch überhaupt nicht. So stehen die Vermittlung von Gesetzen und Menschenrechten also genauso auf dem Lehrplan wie kriminalpolizeiliches Fachwissen, Festnahmetaktiken oder aber die Frage, wie man eine ganz banale Verkehrskontrolle durchführt oder ein Funkgerät bedient.

Seit Beginn des polizeilichen Engagements in Afghanistan im März 2002 bis jetzt waren bislang 99 Berliner Beamte am Hindukusch im Einsatz. Einen besonderen Dienstgrad brauchen die Polizisten für eine Auslandsmission nicht, wohl aber sehr gute Englischkenntnisse und andere Eignungen, wie „interkulturelle Kompetenz“. Wer die Auswahlkriterien erfüllt, wird in mehreren Vorbereitungskursen geschult: Dabei geht es nicht nur darum, zu erfahren, was dort im Einsatzgebiet auf sie zukommen wird, sondern auch, wie die Berliner Beamten mit der Trennung von ihrer Familie umgehen können. Ein Einsatz in Afghanistan variiert zwischen einem halben und einem Jahr. Aber auch längere Aufenthalte sind möglich. Am längsten war mit 26 Monaten am Stück der jetzige Leiter des Berliner Abschnitts elf in Tegel, Gerry Menzel, am Hindukusch im Einsatz.

Heute ist Frank Henkel den letzten Tag in Kabul in Afghanistan. Was genau geplant ist, möchte er aus Sicherheitsgründen am Telefon lieber nicht verraten.

Tanja Buntrock/Sidney Gennies

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